21,9 km (Distanz)

906 m (Aufstieg)

624 m (Abstieg)

1.382 m (niedrigster Punkt)

1.828 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Sonntag, 09.08.2020

Nach dem Frühstück am Gasthof Paflur breche ich gegen 8:00 Uhr auf zur dritten Etappe auf dem Vinschger Höhenweg. Heute gibt es etwas weniger Höhenunterschied zu überwinden im Auf- und Abstieg als an den ersten beiden Tagen der Tour und die Wetterprognose ist erneut hervorragend. Auch heute werde ich wieder weitgehend alleine unterwegs sein und ich werde die Einsamkeit auf dem Höhenweg, die Ruhe in der Natur und die spektakulären Ausblicke ins Vinschgau genießen. Heute wird mich der Weg jedoch vom Etschtal wegführen, Richtung Norden hinauf auf 1.800 Meter zu den Glieshöfen am Talschluss des Matschertals.

Zunächst geht es jedoch wieder am Sonnenberg entlang über Wald- und Feldwege mit der typischen kargen Vegetation, die der geringen Niederschlagsmenge und der hohen Sonneneinstrahlung im Sommer sowie den strengen Winterfrösten geschuldet ist. In leichtem Auf und Ab führt mich der Höhenweg Richtung Oberfrinig und Unterfrinig bis zu den Gschneierhöfen und der Jausenstation Ortlerblick oberhalb von Schluderns. Wie der Name vermuten lässt kann ich hier den Panoramablick auf die Ortlergruppe genießen, während sich unter mir am Talboden des Vinschgaus erneut die unzähligen Apfelplantagen wie ein Flickenteppich präsentieren. Oberhalb der Gschneierhöfe treffe ich auf den 1465 gebauten Gschneirer Waalweeg, der zunächst noch über freie Hänge und dann auf schönem schattigem Pfad durch einen Nadelwald führt. Ich passiere eine Waalschelle und komme nach etwa einstündiger Waalwegwanderung zum Ende des offenen Waales oberhalb des Greinhofes.

Nachdem ich bislang immer Richtung Westen am Sonnenberg entlang gelaufen bin führt der Weg nun Richtung Norden und bringt mich ins Matschertal. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tales kann ich die namensgebende Ortschaft erkennen, die ich morgen auf meinem Rückweg Richtung Planeil passieren werde. Zunächst geht es für mich jedoch geradeaus weiter, kontinuierlich bergauf Richtung Norden, jedoch mit nur unerheblicher Steigung und dadurch leicht zu bewandern. Der heutige Hinweg durch das Matschertal führt vorwiegend durch Waldgebiete parallel zum Saldurbach am Talboden und ich laufe vom Schludernser bis zum Taneiwald, der mich schließlich zu den Gehöften bei Ausser-Glieshof führt.

Das schöne an meiner Vinschgauer Tour ist, dass alles bereits für mich organisiert wurde, vom Gepäcktransport bis zur Buchung der Unterkünfte mit Übernachtung und Frühstück. Der Nachteil ist, dass ich jetzt am Ausser-Glieshof stehe und nicht genau weiß, wo ich heute übernachten werde, da ich mich nicht selbst um die Buchung gekümmert habe. Ich weiß nur, dass es zu den „Glieshöfen“ geht, die sich wiederum in Ausser-Glieshof und das einige hundert Meter entfernte Inner-Glieshof gliedern. Hier kommen insgesamt 4 Übernachtungsmöglichkeiten in Frage, dreimal einfache Übernachtung auf dem Bauernhof und einmal das gerade erst vor drei Monaten renovierte 3-Sterne-Almhotel Glieshof mit Saunalandschaft und Panoramazimmern. Letzteres schließe ich erst einmal aus, da der günstige Pauschalpreis der Tour am ehesten für die einfache Bauernhofübernachtung spricht. Also klopfe ich in Ausser-Glieshof am ersten Hof an und frage, ob mein Gepäck bereits hier ist und ob ich erwartet werde. Hier öffnet niemand, also am zweiten Hof probieren. Der junge Mann, der die Tür öffnet ist nicht auf mich vorbereitet, aber er kann mir anbieten, seinen Nachbarn telefonisch zu befragen, doch auch dieser weiß nichts von meiner Ankunft. Bleibt also eigentlich nur noch der Biobauernhof Inner-Glieshof. 10 Minuten später klopfe ich dort an der Türe und kann feststellen, dass man auch dort mein Kommen nicht erwartet und empfiehlt mir, im Hotel nebenan zu fragen. Als ich an die Rezeption komme sehe ich schon meinen kleinen Rollkoffer im Nebenzimmer und mein Erstaunen wird immer größer als ich schließlich die mir zugewiesene Unterkunft betrete – ein riesiges  Zimmer mit gefühlt 40 m² ganz für mich alleine mit einem ebenso riesigen hochmodernen und hellen Bad. Schnell aus den verschwitzten und verstaubten Wanderklamotten raus und erst mal seeehr ausgiebig duschen und ausruhen. Nachdem ich diesen Luxus ausgiebig genossen habe zieht es mich wieder nach unten zur Hotelterrasse, die sich zwischenzeitlich deutlich geleert hat. Die Tagestouristen brechen wieder nach Hause auf während ich in Ruhe mit Blick zurück ins Matschertal bei immer weiter sinkender Sonne zu Abend essen kann. Ein Buffet mit verschiedensten Salaten und Grillgemüse lässt mein Herz höher schlagen, dazu gibt es Polenta mit Wildgulasch. Als die Sonne schließlich im Westen hinter den umgebenden Dreitausendern verschwunden ist, ist auch mein Teller bis auf den letzten Soßenreest geleert. Vor mir ziehen in der einsetzenden Dämmerung leichte Nebelschwaden das Tal hinauf und es wird Zeit für mich, satt und zufrieden in mein Luxuszimmer zurückzukehren.