14,3 km (Distanz)

1.011 m (Aufstieg)

534 m (Abstieg)

984 m (niedrigster Punkt)

1.530 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Freitag, 04.10.2019

Nach dem Aufenthalt im Minerabad Andeer am Vorabend sind alle muskulären Beschwerden wie weggeblasen und so breche ich nach dem Frühstück gut erholt auf und beginne meine heutige Tour im in den frühen Morgenstunden verschlafen wirkenden Andeer. In der „Stizun da Latg“ kann ich noch etwas Alp- und Bergkäse kaufen, dann geht es weiter über die Veia Granda mit ihren historischen Häusern. Am Ortsende zweigt der Weg vor der Autobahnunterführung rechts ab und führt mich am Areal der Battaglia Andeer Granit AG vorbei. Hier wird der berühmte Andeer Ganit verarbeitet und so passiere ich ganze Halden von schönen Natursteinen, die noch darauf warten, ihrem endgültigen Bestimmungsort zugeführt zu werden. Es folgt der erste Anstieg über einen kleinen Waldhügel, der am Wasserkraftwerk Bärenburg endet. Über einen weiteren bewaldeten Hügel geht es mit Blick zum Stausee der Kraftwerke Hinterrhein zur Rofflaschlucht.

Die Besichtigung der Schlucht ist nicht Bestandteil der Via Spluga, dennoch lohnt es sich, diesen Abstecher einzuplanen. Der unscheinbare Einstieg beginnt am Gasthaus Rofflaschlucht, welches bereits ab 1639 als Rast- und Verpflegungsstation für die Säumer auf ihrem Weg zwischen der Lombardei und Süddeutschland erwähnt ist. Als touristische Attraktion zum Zweck der Existenzsicherung des Gasthauses angedacht, wurde zwischen 1907 und 1914 vom damaligen Eigentümer des Gasthauses in mühevoller Arbeit mit Handbohrern und Sprengladungen eine Galerie aus dem Fels gesprengt. Das Ticket zur Besichtigung der Rofflaschlucht erwerbe ich für 4,- CHF im Gasthaus selbst, über einen Seitenausgang gelange ich anschließend auf den Felsenweg, der mich durch die Schlucht zum nahegelegenen Wasserfall und unter dem Hinterrhein hindurch auf die andere Wasserfallseite führt. Der Weg ist nicht besonders lang, aber wirklich schön angelegt mit spektaklären Ausblicken in die Schlucht und zum Wasserfall und so lasse ich mir Zeit bevor ich wieder an den Ausgangspunkt am Gasthaus Rofflaschlucht zurückkehre.

Ich setze meinen Weg auf der Via Spluga fort und gelange vom Schams in die Region Rheinwald. Ein abwechslungsreicher, teilweise ruppiger Pfad führt zunächst aufwärts und bringt mich über eine Wendeltreppe auf das gekieste Dach der Autobahngalerie. Am engen Tobel ist der Wanderweg im steilen Waldhang intelligent angelegt, teilweise sogar balkonartig an die wenig befahrene Lokalstraße angehängt. Schließlich führt der Pfad hinab zum Hinterrhein und bei der relativ kurzen Etappe heute halte ich ein gemütliches Wandertempo mit ausreichend Pausen für durchaus gerechtfertigt. So lasse ich mich abseits des Wanderweges auf den großen Felsblöcken am Hinterrheinufer nieder für ein Picknick mit der am Vortag in der Viamala erworbenen Bündner Nusstorte samt Ovo-Schokolade. Ich genieße die Pause, den Fluss und die Einsamkeit und Ruhe am Ufer, hier scheint außer mir heute niemand auf der Via Spluga unterwegs zu sein. Irgendwann muss ich dann aber doch weiter und so setze ich meinen Weg fort. Über eine Hängebrücke gelange ich ans andere Flussufer und erreiche das ehemalige militärische Festungswerk Crestawald, das als Bestandteil des Schweizer Réduit bei Kriegsbeginn 1939 im Rahmen der Verteidigungsstrategie gegen die Achsenmächte Deutschland und Italien als Artilleriewerk angelegt wurde. Zweck der Festung war die Sicherung der italienisch-schweizerischen Grenze an den Passübergängen Splügen und San-Bernardino und der Schutz der Viamala vor einem Angriff aus dem Süden. Heute ist die Festung Crestawald ein militärhistorisches Museum, in dem die tief in den Berg eingegrabenen Bunkeranlagen besichtigt werden können. Ich erreiche Crestawald jedoch außerhalb der Öffnungszeiten und so liegt auch hier eine friedliche Ruhe über der ehemaligen militärischen Anlage.

Nachdem ich diese hinter mir gelassen habe gelange ich über ein Waldstück zum Sufnersee. Oberhalb von See und Straße führt ein landwirtschaftlicher Weg direkt zum ältesten Dorf des Rheinwalds nach Sufers, das bereits 831 n. Chr. erstmalig urkundlich erwähnt wurde. Von dort geht es weiter über den sogenannten Römerweg, vorbei an der Ruine der ehemaligen Burg bis zum Passdorf Splügen, das eingebettet zwischen Platta- und Tambogruppe im Süden sowie den nördlich gelegenen Splügener Kalkbergen der Adula-Alpen im Talboden des Rheinwalds liegt. Mein Hotel befindet sich zentral im Ortskern und so besorge ich mir nach der obligatorischen Dusche noch eine Rivella und eine neue Tafel Ovo-Schokolade im benachbarten Volg als Proviant für den Folgetag bevor ich mich zum Abendessen begebe. Es gibt „Capuns sursilvans“, eine Bündner Spezialität aus in Mangoldblättern gewickeltem Spätzleteig, der in Milchwasser gekocht und mit Speck serviert wird. Dazu ein frisches Calanda vom Fass … Wohl bekomms!