17,5 km (Distanz)

1.377 m (Aufstieg)

1.097 m (Abstieg)

674 m (niedrigster Punkt)

1.100 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Donnerstag, 03.10.2019

Die erste Etappe der Via Spluga beginnt am Bahnhof Thusis und führt zunächst ins benachbarte Sils. Die erste Überraschung erwartet mich bereits nach wenigen Metern – die Hängebrücke nach Sils über den Hinterrhein ist wegen Bauarbeiten gesperrt und eine Umleitung für Fußgänger und Wanderer ist nicht ausgeschildert. „Das fängt ja gut an hier“ denke ich, da neben dem Hinterrhein auch die Autobahn A13 zu queren und dem mir verfügbaren Kartenmaterial nicht zu entnehmen ist, ob die südlich verfügbare Brücke über die Autobahn auch für Fußgänger geeignet ist. Vor meinem inneren Auge werde ich bereits im Schweizer Radio als autobahnquerender Fußgänger gemeldet, aber ich habe Glück und über die wenig attraktive, aber fußgängertaugliche Brücke am Verkehrsknotenpunkt der Anschlussstelle Thusis-Süd erreiche ich schließlich Sils im Domleschg.

Bei der Dorfkirche beginnt der Wanderweg hinauf zur Burg Ehrenfels, wo bereits eine Lehrerin ihre Schulklasse um sich versammelt hat. Als sie mich erblickt meint sie, mir mitteilen zu müssen: „s’isch äbe nit öffetlich“. Irgendwie bin ich noch nicht richtig auf der Via Spluga angekommen, aber ich bin zu gut drauf und das Wetter ist zu schön als dass ich mir jetzt schon die Wanderlaune verderben lassen möchte. Alles auf Anfang. Ich widme mich wieder dem Wanderweg, der mich nun ohne Hindernisse aufwärts zur Burg Hohen Rätien über dem Domleschg führt. Es geht weiter sanft aufwärts bis zur Maiensäss St. Albin, wo ich den Nordeingang zur Viamala-Schlucht erreiche. Über den schmalen und teilweise ausgesetzten Pfad am steilen Waldhang gelange ich schließlich zum Traversinertobel. Hier führt der Traversina-Steg, eine moderne hängende Treppe aus Lärchenholz über die Schlucht. Es folgt der Abstieg zum Hinterrhein, wo ich am Besucherzentrum der Viamala-Schlucht auf die Straße treffe. Am Eingangskiosk erwerbe ich neben meiner Eintrittskarte zur Besichtigung der Schlucht gleich noch eine kleine Bündner Nusstorte und eine Tafel Ovomaltine-Schokolade, die mir als Wegzehrung in den nächsten Tagen dienen werden.

Ich steige ab zur engsten Stelle der Schlucht und bewundere die mich umgebenden Felsformationen; es ist beeindruckend sich vorzustellen, dass bereits zur Römerzeit eine Passage durch die Schlucht möglich war. Nachdem ich alle Winkel ausgiebig besichtigt habe setze ich meinen Weg fort, der zunächst für etwa 200 m der Straße folgt und dann in den Uferwald abzweigt und zur Hängebrücke Punt da Suransuns am südlichen Ende der Schlucht führt. Auf den Steinblöcken am Ufer des Hinterrheins lege ich eine Picknickpause ein, den anschließenden Anstieg am anderen Flußufer bewältige ich daher zunächst noch etwas träge. Der strahlende Sonnenschein, der mich beim Verlassen des Waldes begrüßt, weckt jedoch erneut die Lebensgeister und so setze ich meinen Weg gut gelaunt und gestärkt fort. Vor mir erstreckt sich das Schamsertal und ich erreiche zunächst die Gemeinde Reischen und wenig später im Talgrund das Dorf Zillis. In der dortigen Gemeindeverwaltung kann ich die Eintrittskarte erwerben, die mich zum Besuch der romanischen Saalkirche St. Martin berechtigt. Als ich ankomme bin ich der einzige Besucher und so genieße ich die Ruhe und Schlichtheit der Kirche. Ich setze mich in eine der Kirchenbänke und lasse die aus quadratischen Bildtafeln bestehende Kirchendecke, welche von 1109 bis 1114 gemalt wurde und nahezu vollständig erhalten geblieben ist, lange auf mich einwirken.

Von Zillis geht es anschließend auf einfachen Wegen durch Wald und landwirtschaftliche Flächen über Donat und Clugin zum Etappenziel nach Andeer. Am Ortsrand erreiche ich meine Unterkunft und checke ein. Im Hotelpreis ist der Besuch des angegliederten Mineralbads Andeer inbegriffen und das entspricht genau meinen Vorstellungen von Abendprogramm nach dieser Wanderung. Nach meinem ausgiebigen Picknick vom Nachmittag verzichte ich auf das Abendessen und halte mich stattdessen stundenlang im 34° C warmen Wasser des Mineralbads auf. Während ich zwischen Sprudelliegen, Nackendusche und Whirlpool im Außenbecken wechsle, habe ich zunächst immer die rund 3000 m hohen Gebirgszüge um Andeer im Blick. Bei Sonnenuntergang sind diese nur noch schemenhaft erkennbar, der Wohlfühl- und Erholungsfaktor im beleuchteten Außenbecken wird hierdurch jedoch wenig beeinträchtigt.