25,6 km (Distanz)

1.295 m (Aufstieg)

939 m (Abstieg)

1 m (niedrigster Punkt)

916 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Mittwoch, 01.05.2019

Nach der anstrengenden Etappe vom Vortag beginne ich den heutigen Tag wieder etwas gemütlicher mit einem Frühstück in meiner Unterkunft und unterhalte mich dabei angeregt mit meinem interessierten englischen Gastgeber über die zurückgelegte und die noch bevorstehende Strecke. Ein paar nützliche Hinweise für die heutige Etappe erhalte ich dabei auch und so starte ich entspannt um kurz vor 9:00 Uhr Richtung Port de Sóller. Das „Tal der Orangen“ macht seinem Namen auf diesem kurzen flachen Abschnitt zum Hafenstädtchen alle Ehre und der betörende Duft der Orangenblüten begleitet mich, bis er von der salzigen Luft am Strand von Port de Sóller abgelöst wird. An diesem wunderschönen Morgen bevölkern bereits die ersten Badegäste den Sandstrand des Naturhafens und einen kurzen Moment lang kommt mir der verlockende Gedanke, meine Wanderkleidung gegen die Badehose zu tauschen und einfach den Tag am Strand zu verbringen.

Ich entschließe mich weiterzuwandern und steige am westlichen Hafenbecken auf zum Leuchtturm am Cap Gros. Über einen felsigen Pfad sowie Staub- und Schotterpisten geht es weiter, vorbei am Herrenhaus Gran Muleta, an terrassierten Olivenhainen und durch Steineichen- und Kiefernwälder. Bei idealen Wetterverhältnissen sind an diesem Feiertag in diesem Abschnitt mehrere Tageswanderer unterwegs und so treffe ich am Wegrand auch immer mal wieder auf Mallorquiner, die den durstigen Wanderern hier frisch gepressten Orangensaft zum Verkauf anbieten. Ich erreiche den Camí de Castelló, einen alten Verbindungsweg zwischen Sóller und Deià, der stellenweise schattig unter Bäumen verläuft, aber immer wieder schöne Ausblicke zum Meer bietet. Über einen gepflasterten Karrenweg geht es schließlich aufwärts in das Bergdorf Deià, wo ich mir eine kurze Erfrischungspause gönne, bevor mich der lange Aufstieg zum Es Caragolí auf 945 m erwartet.

Von hier an sind mein Orientierungssinn und mein GPS gefragt, denn der GR221 ist zwischen Deià und Esporles nicht mehr markiert. Den Beginn des langen Anstiegs finde ich am Hotel „Es Molí“, wo ich der in Serpentinen verlaufenden steilen Straße um das Hotel folge. Schon bald erreiche ich eine kleine Abzweigung, wo mir mit einem unscheinbaren Schild Richtung Valldemossa der Weg nach links in das Dickicht gewiesen wird. Der steil aufsteigende Pfad ist hier stellenweise fast nicht erkennbar, da er von hohem Gras und Büschen überwuchert wird. Da es keine alternativen Wegstrecken gibt kann man sich in diesem Abschnitt eigentlich nicht wirklich verlaufen, dennoch ist der Anstieg hier in der ersten Stunde etwas mühsam. Dann wird der Weg breiter und führt wieder durch einen dichten Steineichenwald. Der Anstieg durch die Steilwand wird beschwerlicher, die Bäume lichten sich und eröffnen spektakuläre Ausblicke zum zwischenzeitlich tief unter mir liegenden Deià und zur Westküste. Nach erreichen der Baumgrenze werden die regelmäßig auftauchenden Steinmännchen als Wegmarkierung im karstigen Fels immer wichtiger und an manchen Stellen komme ich tatsächlich nur noch mit GPS weiter. Ich lege eine kurze Rast ein und genieße die am Vortag in Sóller gekauften Orangen, anschließend geht es mit neuer Energie dem Gipfel entgegen. Nach kurzer Zeit erreiche ich ein mit einer Steinpyramide gekennzeichnetes Plateau, wo ich auf den Camí de S’Arxiduc treffe. Ich gehe nach links und gelange nach 250 m an den Gipfel des Es Caragolí. Ich werde mit einer atemberaubenden Aussicht bis nach Palma an der Südküste belohnt, die ich für ein paar Minuten genießen muss.

Der anschließenden Abstieg über den Höhenweg des Camí de S’Arxiduc bietet zunächst weitere spektakuläre Ausblicke in alle Richtungen, bis ich erneut die Baumgrenze erreiche und den Abstieg durch den Wald fortsetze. Bei meiner Ankunft in Valldemossa passiere ich eine Eisdiele und beschließe, das heutige Abendessen in Form eines hausgemachten Waldfrucht- und Orangeneis zu mir zu nehmen. Als ich kurze Zeit später meine Unterkunft erreiche ist es schon später Nachmittag und die Aussicht auf eine Dusche und ein Bett übersteigt den Wunsch nach einem weiteren opulenten Abendmahl … I call it a day 🙂