27,9 km (Distanz)

1.150 m (Aufstieg)

1.614 m (Abstieg)

26 m (niedrigster Punkt)

1.210 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Dienstag, 30.04.2019

Heute stehen fast 28 km und ordentlich Höhenmeter auf dem Programm und so breche ich bereits um 7:00 Uhr morgens zur zweiten Etappe auf. Eine friedvolle Stille liegt noch über dem gesamten Gelände des Santuari de Lluc und da die Bäckerei erst um 8:00 Uhr öffnet fällt das Frühstück erst mal aus. Dank des opulenten Mahls vom Vorabend und der mitgeführten Müsliriegel laufe ich indes nicht Gefahr, hier bereits in den frühen Morgenstunden Hunger leiden zu müssen.

Zeit zum bummeln oder einlaufen bleibt nicht, denn die Etappe beginnt mit einem Anstieg von 700 Höhenmetern zum Coll d’En Galileu. Der Weg führt vorbei an mehreren Köhlerstellen und -hütten durch einen Steineichenwald und nach etwa einer halben Stunde erreiche ich die Casa de Neu de Son Masip, ein historisches Schneehaus zur Herstellung und Lagerung von Eis. Kurze Zeit später wird der Wald lichter, ich lasse die Baumgrenze hinter mir und beginne den Anstieg über die Voltes d’En Galileu, einen restaurierten Trockensteinweg, der einst als Zugangsweg zu den höher gelegenen Schneehäusern angelegt wurde. In steiler werdenden Serpentinen führen die Voltes d’En Galileu nach oben und eröffnen die Aussicht über die Tausender-Gipfel der Tramuntana. Ich erreiche den Pass am Coll d’En Galileu und der Weg führt dicht am Gipfel des Puig d’En Galileu vorbei. Nach einem kurzen Abstieg folgt ein erneuter Anstieg in Richtung Puig de Massanella zum Coll des Telègraf und von dort noch einmal ein steiler werdender auf den Bergkamm, den ich durch eine Scharte quere. Hier ist an einer Trockenmauer an der Passhöhe Coll des Prat auf 1.210 m der höchste Punkt der Tour erreicht und es eröffnen sich herrliche Ausblicke auf den Puig Major im Westen und das Massanellamassiv im Süden.

Kurz nach der Passhöhe gönne ich mir eine kurze Rast um nochmals das umgebende Bergpanorama zu bewundern. Dann geht es kontinuierlich bergab, zunächst auf steinigen Pfaden durch das Hochtal zwischen dem Puig de Ses Bassetes und der Serra des Teixos, dann durch einen Kiefern- und Steineichenwald bis zu einer Abzweigung, der ich in Richtung Coll des Colloms folge. Ich passiere den Stausee Gorg Blau und wandere entlang eines Kanals, der den Gorg Blau mit dem Cúber Stausee verbindet. Der Weg führt entlang des Westufers des Cúber bis zu dessen Ende und anschließend als Schotterpiste bis zur Passhöhe Coll de L’Ofre. In der Nähe der gleichnamigen Finca eröffnet sich an einer steil abfallenden Kante ein atemberaubender Blick ins Tal zum Etappenziel nach Sóller. Von hier geht es nun mehrere Kilometer stetig bergab über den mit Natursteinen gepflasterten ehemaligen Pilgerpfad Camí d’es Barranc. So beschwerlich der teilweise steile Weg abwärts auch ist, die Umgebung beeindruckt mit wilden Felsszenerien und angelegten Terrassen mit Oliven- und Johannisbrotbaumkulturen. Ich wandere entlang der steilen Wände des Canyons und erreiche schließlich das kleine Örtchen Biniaraix. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung bis Sóller und ich genieße den Duft der Zitrusbäume, der mir hier im „Tal der Orangen“ schon entgegenweht.

Ich nütze die Gelegenheit und erwerbe bei meiner Ankunft in Sóller in einem kleinen Krämerladen vier der wunderbar saftig-süßen Canoneta-Orangen für insgesam 35 Cent für meine Wanderung am nächsten Tag und checke anschließend in meiner Unterkunft ein. Nachdem ich geduscht und umgezogen bin begebe ich mich nochmals ins Stadtzentrum, wo ich an der Plaça de sa Constitució mit Blick zur imposanten Pfarrkirche San Bartomé mein Abendessen genieße. Es gibt Oliven mit Aioli und Salat, anschließend eine gegrillte Dorade mit Gemüse und dazu einen guten Weißwein und so sind auch am zweiten Abend schon bald wieder die Strapazen der Wanderung vergessen.