24,6 km (Distanz)

693 m (Aufstieg)

388 m (Abstieg)

1 m (niedrigster Punkt)

693 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Montag, 29.04.2019

Ich habe beschlossen, den GR221 komplett von Nord nach Süd zu laufen, von Hafen zu Hafen, von Meer zu Meer – und so fühle ich mich genötigt, an der Strandpromenade von Port de Pollença meine Wanderschuhe zunächst noch einmal auszuziehen, über den kurzen Sandstrand zu laufen und die Füße ins Meerwasser zu tauchen. Nach diesem symbolträchtigen Akt kann es nun also losgehen und das tut es zunächst recht unspektakulär auf einem Fußweg entlang der verkehrsreichen Ma-2200 von Port de Pollença nach Pollença. Hier sind  gruppenweise gefühlt Millionen von Rennradfahrern in jeweils einheitlichen Radtrikots unterwegs, optimalst ausgestattet, lärmend und auf Geschwindigkeit gepolt. Ich bekomme Mitleid mit diesen Asphaltjunkies und schon jetzt überkommt mich die Sehnsucht nach der bevorstehenden Einsamkeit der Berge und der Ruhe der Natur die mich in den nächsten Tagen erwartet.

Ich erreiche Pollença, überquere den ausgetrockneten Flußlauf des Torrent de Sant Jordi über die Pont Romà und nach kurzer Zeit habe ich das kleine Städtchen schon wieder verlassen und befinde mich auf einem gut beschilderten und befestigten Wanderweg durch das Vall d’En Marc, umgeben von blühenden Zitronen- und Orangenbäumen. Nach etwa zwei Stunden auf dem historischen Camí Vell de Lluc a Pollença beginnt der sanfte, aber kontinuierliche Anstieg durch anfangs lichte Steineichenwälder zur Finca Binifaldó. Es geht weiter durch den dichter werdenden Wald Bosc Grand, vorbei an alten Köhlerplätzen zum höchsten Punkt der Etappe, dem Coll Pelat auf 693 m. Von hier führt der Weg entlang des Torrent de S’Ermita zum Refugi Son Amer. Ich halte kurz inne und genieße den Blick von der Terrasse ins Tal zum Santuari de Lluc, meinem heutigen Etappenziel.

Es folgt der Abstieg zum Wallfahrtsort, den ich etwa 20 Minuten später erreiche. Nachdem ich eingecheckt und meine bescheidene Kammer in der Herberge bezogen habe muss ich mich nach der obligatorischen Dusche erst mal um meine geschundenen Füße kümmern. Offensichtlich war die Winterpause seit meiner letzten Fernwanderung zu lange, meine Füße sind die Belastungen nicht mehr gewöhnt und ich habe mir bereits auf der ersten Etappe eine Blase gelaufen. Zum Abendessen gehe ich daher heute etwas weniger elegant, im nahe gelegenen Restaurante Sa Font Cuberta vergesse ich dieses Malheur aber recht schnell wieder. Der freundliche Wirt empfiehlt mir das Menü des Tages, welches neben Oliven mit Aioli einen großen Topf des mallorquinischen Reiseintopfs „Arroz brut“ und als Hauptgang einen gebratenen Seehecht mit Gemüse beinhaltet. Dazu kredenzt er mir eine ganze Flasche Rosé und freut sich sichtlich, dass ich als hungriger Wanderer alles mit Genuss verspeise, einzig ein paar Tropfen des leckeren Weins bleiben übrig.

Auf dem Weg zurück zum Santuari stelle ich fest, dass die Touristen, die das spirituelle Zentrum der Insel tagsüber bevölkern, nun weitgehend verschwunden sind und so vermittelt dieser heilige Ort in der Abenddämmerung noch einmal eine ganz besondere Atmosphäre. In aller Ruhe kann ich so der direkt neben der Herberge gelegenen Wallfahrtskirche des Santuari de Lluc noch einen Besuch abstatten bevor ich mit der nötigen Bettschwere mein Zimmer aufsuche.