14,1 km (Distanz)

1.017 m (Aufstieg)

1.463 m (Abstieg)

1.411 m (niedrigster Punkt)

2.261 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Dienstag, 03.07.2018

Die Nacht in unserem mit 3 Personen belegten 4-Betten-Lager im Rifugio Tissi wird unruhig. Es ist nach Mitternacht und ich wache von heftigem Gewitterregen auf, es donnert ohne Unterlass und irgendwann bemerke ich im Halbschlaf im Licht der niedergehenden Blitze, wie sich irgendetwas zwischen unseren Betten bewegt, dann schlafe ich wieder ein. Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei, die Sonne geht friedlich hinter den Bergen auf und scheint in unser Zimmer, als wäre nichts geschehen. Dann bemerke ich die Katze des Rifugios, die uns schon bei der Ankunft am Vortag auf dem Geländer sitzend begrüßt hat. Sie ist bei dem nächtlichen Gewitter in unser Zimmer geflüchtet und liegt nun friedlich schlummernd im vierten unbelegten Bett.

Während die Katze weiterschläft, stehen wir auf, packen unsere Sachen zusammen und brechen nach der Morgentoilette und dem üblichen italienischen Hüttenfrühstück mit Kaffee, Müsli, Brot, Käse, Wurst und Marmelade auf. Wir steigen den grasigen Südhang der Cima di Col Rean südwestwärts ab und gelangen wieder ins Val Civetta. Es geht entlang des Pelsakamms, dem südlichen Ausläufer der Civetta bis zum mächtigen Torre Venezia, der plötzlich links von uns auftaucht. Vor uns erstreckt sich ein Nebelmeer im Val Corpassa und wir biegen am südlichen Ende der Civetta unterhalb des Torre Venezia ostwärts ab. Auf einfachen Wegen geht es über Wiesen und durch Wälder zum Rifugio Vazzolèr, das uns auf einer sonnendurchfluteten Waldlichtung begrüßt. Es ist noch früh am Morgen und so gönnen wir uns erst einmal einen Cappuccino und besuchen anschließend noch den hinter dem Rifugio gelegenen Alpengarten.

Mit der Umrundung der Civetta haben wir nun den nördlichen Dolomitenraum verlassen. Die vor uns liegende südliche Dolomitenregion ist weniger erschlossen und so haben wir nun erst einmal eine etwa vierstündige Wanderung entlang des Moiazza-Massivs bis zum nächsten Rifugio vor uns, das gleichzeitig unser Tagesziel darstellt. Es geht zunächst die Naturstraße ins Val Corpassa hinab, nach einigen Kehren biegen wir jedoch links von der Straße ab und gehen wieder bergauf durch einen lichten Bergwald. Schon bald wird die Gegend wilder und unwegsamer und wir queren stetig aufsteigend teilweise steil abfallende Schutt- und Geröllhänge. An der Forcella Col dell’Orso legen wir eine Pause ein und bewundern die raue Landschaft an der Westwand der Moiazzagruppe. Anschließend treffen wir auf eine kurze seilversicherte Stelle, die jedoch unproblematisch zu passieren ist. Es geht weiter aufwärts über steile Grashänge zur Forcella del Camp, von dort wird der Weg ebener und führt durch einen lichten Latschenwald in das Val Framont. Das Rifugio Carestiato ist schon früh erkennbar, es dauert jedoch noch, bis wir unterhalb des Col di Pass eine Blockhalde queren und schließlich das Rifugio erreichen.

Es ist noch früher Nachmittag und wir haben unser Ziel trockenen Fußes vor dem angekündigten Gewitterregen erreicht. Das muss mit einem weiteren Cappuccino belohnt werden, den wir erst einmal auf der Terrasse des Rifugios zu uns nehmen. Anschließend beziehen wir unser Vier-Betten-Lager, das wir heute ganz für uns alleine haben. Nach der obligatorischen Dusche haben wir noch viel Zeit, um den restlichen Nachmittag mit Lesen und der Vorbereitung der morgigen Etappe zu verbringen. Am Nachmittag füllt sich das Rifugio mit weiteren Wanderern und so treffen wir auch wieder auf unsere australischen Freunde vom Vortag. Nach dem Abendessen vereinbaren wir mit dem Hüttenwirt für den Folgetag ein zeitiges Frühstück, da für den morgigen Nachmittag noch einmal Regenschauer und Gewitter angekündigt sind und unser Etappenplan für den Schlussabschnitt die Querung des ausgesetzten Grats an der Cime di Città vorsieht. Diese Passage wollen wir nicht zwingend bei Gewitter durchführen und so planen wir einen möglichst frühen Etappenstart und ziehen uns schon bald in unsere Betten zurück.