20,9 km (Distanz)

1.376 m (Aufstieg)

1.156 m (Abstieg)

1.699 m (niedrigster Punkt)

2.294 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Montag, 02.07.2018

Am heutigen Montag steht eine Etappe mit 1.000 Höhenmetern und etwas mehr als sechzehn Kilometern Wegstrecke zum Rifugio Sonino al Coldai auf dem Programm. Nach drei herrlichen Sommertagen zu Tourbeginn lässt uns die Wettervorhersage diesen Etappenplan jedoch überdenken. Die Wetterlage wird labiler, Schauer und Gewitter sind insbesondere für die Nachmittagsstunden am morgigen Dienstag und am Mittwoch vorhergesagt und da wir morgen im letzten Etappenteil zwischen Rifugio Vazzoler und Rifugio Carestiato eine vier- bis fünfstündige Höhenwanderung im unwegsamen Gelände der Moiazzagruppe vor uns haben, wollen wir in diesem Abschnitt nicht von einem Gewitter überrascht werden. So überlegen wir, ob wir nicht die heutige Etappe bis zum Rifugio Tissi oder Rifugio Vazzoler ausdehnen sollen, um die morgige Tour zu verkürzen und dem potentiellen Gewitter zu entgehen. Wir entschließen uns, diese Entscheidung spontan zu treffen und brechen nach dem Frühstück zur vierten Etappe auf.

In diesen Morgenstunden ist es heute noch sehr neblig, erst allmählich befreit sich der Gipfel des Monte Pelmo von seinem Wolkenvorhang und nur vereinzelt können sich die Sonnenstrahlen am Anstieg zur Forcella d’Ambrizzola durchsetzen. Über Geröllwege zwischen dem prominenten Becco die Mezzodi und Croda di Lago hindurch wandern wir zur Forcella Col Duro und von dort abwärts über Malga Prendera und Forcella della Puina zum Rifugio Città di Fiume, welches wir nach knapp zwei Stunden Gehzeit erreichen. Wir halten uns nicht lange auf und gehen durch das nahe Waldstück in vorübergehender Begleitung einer Kuhherde zu den Schuttfeldern am Fuß des Monte Pelmo. Wir queren diese und gelangen nach nochmaliger Passage eines Bergnadelwaldes zur Staatsstraße Nr. 251 am Passo Staulanza. Die vielbeschriebene malerische Aussicht auf die umliegenden Bergketten können wir nicht nachempfinden, da diese erneut von Nebelschleiern überzogen sind und so genießen wir lieber einen Cappuccino auf der Terrasse des Rifugios Passo Staulanza.

Nach einer kurzen Pause brechen wir wieder auf und gehen über Naturstraßen, steile Grashänge und begrünte Hochebenen zur Forcella d’Alleghe. Es folgt der Anstieg über die schroffe Ostflanke des Monte Coldai, in Kehren bezwingen wir die 300 Höhenmeter zum Rifugio Coldai, welches uns wolkenverhangen begrüßt. Es ist erst früher Mittag und so kehren wir ein, genehmigen uns eine Portion Spaghetti pomodoro und beschließen, unsere Wanderung anschließend fortzusetzen. Frisch gestärkt und ausgeruht machen wir uns nach dem Essen auf zum Anstieg zur Forcella Coldai. Hier eröffnet sich der Blick zum tiefer liegenden Lago Coldai und als wir zu diesem absteigen, reißt endlich auch wieder der Himmel auf und gibt die herrlichen Ausblicke zum See und dem nahegelegenen Civettamassiv mit dem Torre Coldai frei.

Wir überqueren Schutthänge und kleine Schneefelder auf einem terrassenartigen Höhenweg, über uns die 1.000 m hohe Nordwestwand der Civetta, 1.000 m unter uns das Cordevoletal. Die Wege sind breit und gut begehbar, bis wir an eine Abzweigung vor der Forcella di Col Rean gelangen. Hier überlegen wir kurz, ob wir geradeaus weiter Richtung Rifugio Vazzoler oder nach rechts zum Anstieg zur Cima di Col Rean mit dem nahe gelegenen Rifugio Tissi gehen sollen. Ein Donnergrollen im Hintergrund erleichtert die Entscheidung und wir biegen automatisch nach rechts ab. Es geht noch einmal steil bergauf, aber nach kurzer Zeit erreichen wir unser auserkorenes Etappenziel am Rifugio Tissi. Wir beziehen ein Vierbettzimmer, das bereits mit einem Mitwanderer belegt ist und freuen uns nach dem Duschen auf unser Abendessen. Im Gastraum lernen wir weitere Wanderer aus Australien und Kanada kennen, mit denen wir bei interessanten Gesprächen den Abend verbringen. Nach dem Essen lockt jedoch zunächst noch einmal der nahegelegene Gipfel der Cima die Col Rean und die untergehende Sonne, die gerade durch die Wolkendecke bricht, trägt zu einer unglaublichen Abendstimmung am Gipfel bei. Ich traue mich vor bis an die Abbruchkante am Gipfel und sehe 1.000 m unter mir Alleghe im Val Cordevole, neben mir das sonnendurchflutete Gipfelkreuz.