15,0 km (Distanz)

767 m (Aufstieg)

1.477 m (Abstieg)

1.694 m (niedrigster Punkt)

2.752 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Sonntag, 01.07.2018

Die Nacht im 14-Betten-Lager des Rifugio war dank Ohrenstöpsel ruhig und so brechen wir nach dem Frühstück ausgeruht zur dritten Etappe auf. Wir verlassen den höchsten Punkt der Tour am Lagazuoi und gehen zunächst ein Stück bergab auf dem Weg, den wir am Vortag mühsam erklommen haben. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Abzweigung von Weg Nr. 402 nach rechts und folgen dieser. Über Geröll- und Schutthänge sowie ein kleines Schneefeld geht es weiter bergab unter die Südwand des Kleinen Lagazuoi. Über uns wird die Bergstation der Gondel sichtbar, wir begeben uns jedoch über Wiesenwege Richtung Talstation am Passo Falzarego. Hier findet gerade der „Maratona dles Dolomites“, der jährlich am ersten Sonntag im Juli terminierte Straßenradmarathon von La Villa nach Corvara statt. Wir beobachten eine Weile die Radrennfahrer an ihrem Anstieg am Passo Falzarego und machen uns dann auf den Weg zu unserem ersten Anstieg des Tages Richtung Monte Averau.

Es geht zunächst sanft bergauf über Wiesen, das Skigebiet am Col Gallina kreuzend, dann weiter durch felsige Anstiege, bis wir unvermittelt an einer Steilrinne stehen, die nur noch kletternd überwunden werden kann. Es wird abenteuerlich und an einem senkrecht emporragenden Felsblock auch etwas schwierig, aber nie wirklich gefährlich. Als wir die Stelle überwunden haben und an der Forcella Averau stehen, sind wir dankbar für die zurückliegende Abwechslung. Von hier gehen wir in wenigen Minuten unterhalb der Südwestwand des Monte Averau zum gleichnamigen Rifugio, an dem sich viele Tageswanderer aufhalten. Viele von ihnen machen sich auf den Weg über den Kamm des Monte Nuvolau zum dortigen Rifugio. Uns locken jedoch die Cinque Torri, die wir bereits in der Ferne erkennen können und so machen wir uns auf den Weg bergab über begrünte Karrenflächen. Die fünf Türme thronen spektakulär auf einer grasigen Bergschulter und als wir uns dieser eindrucksvollen Felsformation nähern, können wir plötzlich Stimmen vernehmen. Diese kommen aus dem östlich gelegenen Torre Grande und sind mehreren Kletterern zuzuordnen, die in den senkrechten Wänden ihren Sport betreiben. Wir gehen weiter und erreichen nach kurzer Zeit das Rifugio Cinque Torri am Fuß des Torre Grande. Außer uns sitzen nur zwei weitere Gäste im Außenbereich des Rifugios, was uns ob der Menschenansammlungen am Rifugio Averau etwas verwundert. So beschließen wir zu bleiben und ich gönne mir eine Portion in Butter geschwenkte Speckknödel mit Parmesan sowie meine obligatorische Holundersaftschorle.

Auch hier fällt es nach der gemütlichen Einkehr schwer, sich erneut auf den Weg zu machen, aber wir haben noch ein paar Kilometer vor uns. Wir gehen zunächst über die asphaltierte Zufahrtsstraße sanft bergab und verpassen beinahe unsere Abzweigung nach rechts auf den Weg Nr. 437, da sich hier die einzige Stelle des Dolomiten Höhenweges 1 findet, die schlecht bis gar nicht beschildert ist. Dank meiner GPS-Uhr finden wir jedoch schnell wieder auf den richtigen Weg und schon bald laufen wir über mehrere Kilometer stetig bergab durch lichten Wald und über Wiesen zur Straße über den Passo Giau im Val Costeana. Hier ist wieder der Radmarathon in vollem Gang, wir beobachten noch einmal das Renngeschehen und spenden den zurückgefallenen Schlusslichtern einen motivierenden Extraapplaus.

Nun geht es wieder bergauf und nachdem wir uns zur Ostseite der Croda da Lago aufmachen, stehen wir unvermittelt an einem Aussichtspunkt, an dem wir unter uns im Tal Cortina d’Ampezzo mit dem dahinter liegenden Monte Cristallo erkennen können. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis wir über einen lichten Waldabschnitt zum Lago Federa gelangen, an dessen Ostseite entlang wir bis zu unserem Etappenziel, dem malerisch am See gelegenen Rifugio Croda da Lago kommen. Der Anblick ist fast schon märchenhaft und so muss ich erst noch ein Paar Fotos schießen, bevor ich mich auf der Terrasse einmal mehr mit einen Apfelstrudel mit Cappuccino für die heutige Etappe belohne. Wir beziehen unser Sechs-Betten-Quartier, das wir mit einem Paar aus der Nähe von Rom teilen und genießen den Spätnachmittag auf der Terrasse des Rifugios mit Blick zum Federasee. Später lockt uns das Abendessen ins Haus und es gibt Spaghetti pomodoro. Spezialität des Hauses sind jedoch Dutzende selbstgemachter mit Früchten oder Kräutern versetzte Grappe. Ich entscheide mich für einen „Grappa albicocche“, einen mit Aprikosen aromatisierten Grappa, der mir schon bald die nötige Bettschwere verleiht.