18,5 km (Distanz)

1.698 m (Aufstieg)

488 m (Abstieg)

1.542 m (niedrigster Punkt)

2.752 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Samstag, 30.06.2018

Die Sonne erwartet uns schon an diesem Samstagmorgen und so brechen wir auch heute wieder zeitig nach dem Frühstück auf Richtung Fanestal. Vor uns liegen fast 1.700 Höhenmeter Aufstieg und ein Teil davon ist bereits zu Beginn der Tour zu bewältigen. Nachdem wir einen steilen Schutthang bezwungen haben, wird der Weg wieder flacher und folgt zunächst dem Vigilbach bis zur Faneshütte.

Nach einer kurzen Trinkpause steigen wir auf zum Limojoch und genießen den Blick zurück nach Norden zur Eisengabelspitze. Am Limosee stellt sich bei mir auf unerklärliche Weise ein plötzliches Durstgefühl ein, dieses wird jedoch nicht am See gestillt, da wir schon kurze Zeit später die Große Fanesalm erreichen. Hier kehren wir ein und suchen uns ein schattiges Plätzchen auf der Terrasse. Nach einer kühlen Holundersaftschorle mit Blick auf das Bergpanorama im Osten fällt es mir erst einmal schwer, mich von meinem gemütlichen Platz auf der Almhütte zu erheben um weiterzuwandern, doch auch der nächste Wegabschnitt hat schöne Aussichten zu bieten. Es geht zunächst eher flach weiter und der einfach zu begehende Weg führt durch das weite obere Fanestal vorbei an weidenden Ziegen, Kühen und Pferden bis zum Tadegajoch auf 2.157 m.

Kurz danach müssen wir an einer Weggabelung nach links auf den Weg 20 B und sehen vor uns den Aufstieg zur zwischen Cima del Lago und Cima Scotoni gelegenen Forcella del Lago. Über einen felsigen Weg geht es aufwärts bis zu einem kleinen Hochplateau, wo wir noch einmal eine Trink- und Vesperpause einlegen, hier können wir auch erstmals die Königin der Dolomiten, die schneebedeckte 3.343 m hohe Marmolada bewundern. Anschließend geht es weiter aufwärts über steile Geröllfelder und Schutthänge, bis wir schließlich die Forcella del Lago auf 2.486 m Höhe erreichen. Als wir die Forcella überqueren, bietet sich uns plötzlich ein völlig neues Panorama: 300 Meter unter uns liegt der Lago di Lagazuoi und der Weg dorthin führt in steilen Serpentinen abwärts über Schutthänge direkt durch die Scharte. Auf der gegenüberliegenden Seite können wir schon den uns erwartenden Anstieg zum Rifugio Lagazuoi, unserem Etappenziel erkennen. Die Nähe des Rifugios auf der anderen Bergseite lässt vermuten, dass wir schon bald unser Ziel erreichen werden, doch dies erweist sich als Fehleinschätzung.

Wir steigen zunächst die steilen Serpentinen durch die Scharte der Forcella del Lago ab und sind froh über unsere Trekkingstöcke, die uns hierbei gute Dienste erweisen. Wir gehen konzentriert zu Werke und passen auf, dass wir keinen Steinschlag auslösen, ansonsten erweist sich der Abstieg aber als unproblematisch. Am Fuß der Cima Scotoni queren wir oberhalb des Lago di Lagazuoi und gelangen so zum Weg Nr. 20, der uns wieder aufwärts in Richtung des Gipfels führt. Schier endlos erscheint der Anstieg, zunächst gerade, dann in Serpentinen über den Geröllrücken vorbei an Stellungen aus dem ersten Weltkrieg, bis wir schließlich erschöpft am Rifugio Lagazuoi auf 2.752 m Höhe ankommen. Damit haben wir den höchsten Punkt des Dolomiten Höhenweg 1 erreicht und das Bergpanorama, das sich hier eröffnet, entschädigt schnell für den schweißtreibenden Aufstieg. Eine weitere Belohnung folgt unmittelbar in Form des nächsten Apfelstrudels auf der Aussichtsterrasse.

Nachdem wir unsere Betten im 14-Personen-Lager bezogen und geduscht haben, brechen wir noch einmal für eine kurze Runde zum Gipfel des Kleinen Lagazuoi auf, der in wenigen Minuten über einen einfachen Weg vom Rifugio Lagazuoi zu erreichen ist. Nach der Rückkehr vom Gipfel erwartet uns zunächst ein exzellentes Abendessen mit hausgemachten Tagliatelle mit Pilzen, Risotto und überbackenem Frischkäse als Vorspeise und einem Ragout mit Pilzen und Polenta als Hauptgang. Zum Nachtisch gibt’s einen Kräuterschnaps und den Sonnenuntergang auf der Aussichtsterrasse. Unglaublich spektakulär geht die Sonne im Westen über dem Rosengartenmassiv unter und beleuchtet das umliegende Bergpanorama der Marmolada wie auch die südöstlich gelegenen Dolomitenregionen der Cinque Torri, Croda da Lago, der Nuvolaugruppe, des Monte Pelmo und des Civettamassivs. All diesen Bergen werden wir in den folgenden drei Tagen begegnen.