38,5 km (Distanz)

498 m (Aufstieg)

495 m (Abstieg)

395 m (niedrigster Punkt)

593 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Samstag, 04.07.2020

Es ist Juli und ein weiterer schöner Wandertag auf dem Bodensee-Rundweg liegt vor mir. Ich starte in Kreuzlingen, genauer gesagt an der Kunstgrenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen. Statt eines Grenzzauns ist die Landesgrenze zwischen Deutschland und der Schweiz hier durch 22 Skulpturen markiert. Bis vor 4 Wochen war hier tatsächlich wieder ein Zaun, da die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz coronabedingt geschlossen war, aber seit Mitte Juni ist der Grenzübertritt wieder zulässig und der Zaun verschwunden. So empfinde ich es als Privileg nun genau auf der Grenzlinie zu stehen, an zwei Orten gleichzeitig zu sein, in Deutschland und in der Schweiz, in Baden und im Thurgau, in Konstanz und in Kreuzlingen zur gleichen Zeit. Ich beginne meine Etappe und erreiche schon bald den Gottlieber Zoll der mich ins Tägermoos führt. Ich bleibe auf Schweizer Seite und befinde mich doch auch wieder partiell in Deutschland. Das Tägermoos gehört staatsrechtlich zur Schweiz, ist aber eine Gemarkung von Konstanz und grenzt an den Stadtteil Paradies und an das südliche Seerheinufer. Einst sumpfiges Weideland ist das Gebiet heute drainiert und wird vorwiegend für Gemüseanbau und Kleingärten genutzt. In den frühen Morgenstunden ist es hier am Seerheinufer im Tägermoos extrem beschaulich und ruhig und es sind vornehmlich die vielen Vogelarten zu vernehmen, die hier und auf der anderen Uferseite im Wollmatinger Ried ihre Heimat gefunden haben. Ab und zu kommt ein Jogger vorbei, aber eigentlich bin ich doch noch sehr für mich hier in der Natur. 

Am Kuhhorn wird gerade das „Beizli“ für die späteren Gäste vorbereitet und vom gleichnamigen Aussichtspunkt am Seerhein kann ich einen Blick auf das Schloss Gottlieben werfen. Eine bessere Sicht auf die ehemalige Wasserburg erhält man nur noch von der anderen Seerheinseite im Wollmatinger Ried. Das Schloss selbst ist in Privatbesitz und für Besucher nicht zugänglich und als ich kurze Zeit später in Gottlieben ankomme bleibt es hinter Zäunen und Bäumen im Verborgenen. Die kleinste Gemeinde der Schweiz ist dennoch ausgesprochen attraktiv mit wunderschönen Fachwerkhäusern aus dem 17. Jahrhundert und einer Platanenallee am Ufer mit Ausblick zum Wollmatinger Ried und zum Triboldingerbohl. Der Weg führt weiter über Riedwiesen zum Schilfgürtel im Ermatinger Becken. Die dortige Flachwasserzone ist ein international bedeutsames Wasservogelareal und dient diversen Entenarten als Ruhegewässer und Nahrungsgebiet. Dementsprechend verbleibe ich hier auf dem schmalen Pfad durch den Schilfgürtel und respektiere die mich umgebende Natur, bis ich wieder auf den geschotterten Wanderweg unterhalb von Triboltingen treffe, der mich nach Ermatingen führt. Auf deutscher Seite liegt mir nun die Insel Reichenau gegenüber, auf die ich einen besseren Blick erhalte, als ich mich wenig später auf dem kurzen Anstieg zum Schloss Arenenberg befinde. Das Anwesen erlangte als einstiger Wohnsitz der vormaligen holländischen Königin Hortense de Beauharnais und des späteren französischen Kaisers Napoleon III historische Bedeutung und beherbergt heute das Napoleonmuseum. Von der Parkanlage des Schlosses genieße ich den schönen Ausblick zum Untersee, bevor ich anschließend zum nächsten Schloss weiterziehe. Schloss Salenstein befindet sich nur wenige Minuten von Arenenberg entfernt, ist jedoch wie Schloss Gottlieben in Privatbesitz und kommt so nur kurz im Rahmen eines Fotos in den Genuss meiner Aufmerksamkeit.

Von Salenstein geht es wieder bergab nach Mannenbach und immer in Ufernähe weiter über Berlingen nach Steckborn. Am Bahnhof ist Zeit für ein Eis, Silke ist unterdessen mit Grillgut unterwegs zu unserem späteren Treffpunkt am Grillplatz Hochwacht und so bleibt es bei dem kurzen Zwischensnack. Der Weg führt weiter nach Glarisegg zum dortigen Schloss. Das 1775 errichtete Gebäude ist jetzt eher weniger spektakulär, die mich hier umgebenden Menschen jedoch auffällig beseelt. Ich erfahre, dass das von einem Kollektiv getragene „Projekt Schloss Glarisegg“ als Ort für Begegnung und spirituelle Entwicklung dient und die hier aktiven Seminarleiter aus diversen Sozialpädagogen, Heilern, Alchimisten, Yogis und systemischen Aufstellern bestehen. Da ich aktuell jedoch keinen Bedarf an einer Neuordnung meiner Chakren verspüre und auch keine Tanztherapie mit indischen Tüchern benötige ziehe ich weiter. Es geht durch Waldgebiete mit teilweise schönen Ausblicken zum Rheinsee bis zur Ruine Neuburg. Oberhalb von Mammern beginnt der Anstieg zum Seerücken, der mich zum „Steinernen Tisch“ führt, einem Aussichtspunkt, von dem ich das Etappenziel in Stein am Rhein bereits erkennen kann. Wenige Minuten später erreiche ich Schloss Liebenfels, das sich mittlerweile ebenfalls in Privatbesitz befindet und leider nicht mehr besichtigt werden kann. So bleibt mir nur die Fortsetzung meiner Wanderung bis zu meinem Zwischenziel am Hochwacht. Der Aussichtspunkt ist idyllisch gelegen und überblickt große Teile des Untersees. Die vorhandene Feuerstelle mit Tischen und Bänken lädt geradezu zum Grillen ein und an einem wunderschönen Tag wie heute kann ich mir zum Etappenende fast nichts schöneres vorstellen. Silke ist bereits hier und hat alles vorbereitet, so darf ich mich erst einmal auf die Bank setzen, etwas trinken und die Füße hochlegen. Schließlich wird angegrillt und wir bleiben eine ganze Weile hier und genießen den Ausblick und unser leckeres Essen. Am Ende des Tages wartet dann noch Stein am Rhein auf uns, wo ich die Etappe auf der Rheinbrücke mit Blick zur historischen Altstadt offiziell beende. Hier wird es irgendwann in den nächsten Tagen weitergehen, über die Halbinsel Höri nach Radolfzell.