34,9 km (Distanz)

21 m (Aufstieg)

14 m (Abstieg)

394 m (niedrigster Punkt)

409 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Samstag, 27.06.2020

Für den heutigen Samstag ist eine stabile Wetterlage vorhergesagt. Keinerlei Niederschlag, heiter bis wolkig mit 24 °C, eigentlich ideal. Die ganze Woche habe ich auf die Wettervorhersage geschaut, nicht so sehr wegen der heutigen Wanderung, sondern weil wir gestern ein Grillfest mit 11 Leuten im Garten hatten. Ich hatte trotz der für gestern prognostizierten Regenschauer den Barrel-Smoker angeworfen und gehofft, dass wir verschont bleiben und tatsächlich ist wie schon so oft die Front nördlich über Überlingen und südlich über den Schweizer Seerücken gezogen und hatte uns am Bodanrück verschont. Die Reste vom gestrigen Festmahl habe ich als Proviant für die heutige Etappe eingepackt, ein Paar Stückchen geräucherte Schweinelende im Speckmantel, etwas Kartoffelsalat und Wurzelbrot und den selbstgemachten Eistee, der noch übrig war. Die Regensachen habe ich zu Hause gelassen, denn heute wird’s ja schön.

So bin ich dann am frühen Samstagmorgen an der Uferpromenade in Rorschach gestartet und habe mich auf den Weg gemacht. An der Goldachmündung passiere ich kurze Zeit später die Kantonsgrenze von St. Gallen ins Thurgau. Ein Blick zurück zeigt eine dunkle Wolkendecke über der österreichische Seeregion und wenn ich mich nicht irre regnet es da auch aus diesen Wolken. Das kann mich nicht tangieren, denn da wo ich laufe wird’s ja nicht regnen. Kurz vor Arbon dann das erste Donnergrollen hinter mir und gerade als ich den Ort erreiche kommt der Wolkenbruch. Ich schaffe es gerade noch zum Bahnhof und kann mich erst mal unterstellen. Als ich im Internet die Lage checke stelle ich fest, dass es erst mal die nächste halbe Stunde über Arbon abregnen wird. Wäre ich schon weiter in Romanshorn würde es mich wahrscheinlich nicht beeintächtigen. Aus den 30 Minuten werden fast 60 bis ich endlich wieder einigermaßen trockenen Fußes weiterlaufen kann, ich hoffe das war’s dann für heute. Die Stadt ist ja bestimmt schön mit dem Schloss und der Pfarrkirche St. Martin im Zentrum, aber so regennass hinterlässt sie dann doch einen anderen Eindruck als vielleicht an dem erwartet schönen Sommertag. Egal, ab jetzt wieder wandern, ich habe noch ein paar Kilometer vor mir, die ohne relevante Höhenmeter hauptsächlich dem Uferverlauf folgen.

Über Frasnacht und Egnach erreiche ich Romanshorn mit seinem Hafen, an dem gerade die Fähre aus Friedrichshafen angelegt hat. Vor mir liegt die Altstadt mit der alten paritätischen Kirche, die von der Vergangenheit als „Außenposten“ des Klosters St. Gallen zeugt. Mittlerweile scheint die Sonne und am „Känzeli“ im Seepark finde ich ein idyllisches Plätzchen für meine Vesperpause mit den Resten vom Grillfest am Vortag. Mit dem wunderschönen Seeblick schmeckt’s nochmal so gut und macht auch deutlich mehr Spaß als die Zwangspause im Regen am Arboner Bahnhof. Anschließend geht es wieder am Ufer entlang weiter über Uttwil und Kesswil, wo mich besonders die kleinen Pfahlhäuschen im Wasser beeindrucken. Es handelt sich um kleine Badehäuschen auf Betonpfählen im See, im Privatbesitz der jeweiligen Eigentümer der dazugehörigen Seegrundstücke und für mich der Inbegriff von Luxus. „Wenn ich mal im Lotto gewinne…“ aber wahrscheinlich wird’s nie soweit kommen, insbesondere da ich gar nicht Lotto spiele, aber man wird ja mal träumen dürfen.

Über Güttingen und Landschlacht erreiche ich schließlich Münsterlingen mit dem vor mir liegenden Kantonsspital und der markanten Klosterkirche St. Remigius. Die Gegend ist mir vertraut, es ist nicht mehr weit zum Etappenziel nach Kreuzlingen und zur Grenze nach Konstanz. Was mir ebenfalls vertraut ist, ist das Geräusch, das plötzlich wieder zu hören ist. Ein Donnergrollen macht sich bemerkbar und auch die ersten Blitze kann ich vor mir entdecken. Ich erreiche gerade die Hafenschenke am Sportplatz des FC Münsterlingen, als der nächste Wolkenbruch beginnt. Ich bin nicht der einzige der hier Zuflucht findet, draußen spielt gerade der FC im strömenden Regen und während in Deutschland die Bundesliga in Geisterspielen ohne Zuschauer ihren letzten Spieltag absolviert, hat der hiesige Viertligist in der Schweiz jede Menge Zuschauer, die ohne Masken oder erkennbare Abstandsregelung das Spiel besuchen und sich nun alle in der Hafenschänke zusammendrängen. Wie gut, dass es in der Schweiz offensichtlich kein Coronavirus gibt (ein paar Tage später kurioserweise wieder erstaunte Meldungen in den Schweizer Zeitungen über neuerliche Hotspots in Zürich und der Ostschweiz, wie konnte es nur dazu kommen?). Ich bin froh, dass der Regenschauer schnell vorüberzieht und ich kurze Zeit später trockenen Fußes den Kreuzlinger Hafen erreiche. Ein kleiner Regenbogen heißt mich am Seegarten Willkommen und mit dem Blick zum Konstanzer Münster, an dem ich den Bodensee-Rundweg vor etwa 5 Wochen begonnen habe, beende ich die heutige Etappe. Drei Etappen liegen noch vor mir, es geht um den Untersee und ich freue mich darauf, die Strecke, die mir von diversen Radtouren schon bekannt ist nun auch zu Fuß zu erwandern.