32,8 km (Distanz)

224 m (Aufstieg)

215 m (Abstieg)

395 m (niedrigster Punkt)

557 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Sonntag, 21.06.2020

Heute geht es von Österreich in die Schweiz, von Bregenz nach Rorschach. Gar nicht so weit, wenn man die Luftlinie berechnet, aber es muss das gesamte Deltagebiet im Uferbereich von Bregenz bis Thal mit den drei Zuflüssen der Bregenzer Ach, dem Neuen Rhein und dem Alten Rhein durchwandert werden. Dies macht immer wieder ein paar zusätzliche Kilometer landeinwärts bis zur geeigneten Fußgängerbrücke erforderlich, so dass sich die Gesamtstrecke auf immerhin auch fast wieder 33 Kilometer summiert. Dies ist gleichzeitig die mir am wenigsten bekannte Region am Bodensee, da die Autobahn im österreichisch-schweizerischen Grenzgebiet schon vorher, dem Grenzverlauf am Alten Rhein folgend, nach St. Margrethen abzweigt und die Deltaregion überhaupt nicht tangiert. Hier muss man schon bewusst hinwollen, zum Beispiel im Rahmen dieser Wanderung, auf die ich dann auch schon gespannt bin.

Ich beginne meine Etappe an diesem frühen Sonntagmorgen um 7:30 Uhr an der Seebühne Bregenz und verabschiede mich von Rigoletto, der seine Augen immer noch geschlossen hat, gerade so, als wolle er wie alle anderen Bregenzer noch ein wenig weiterschlafen. Am Strandweg Richtung Kloster Mehrerau begegnen mir vereinzelt ein paar Jogger und Hundespaziergänger, ansonsten ist es noch ruhig um diese Zeit. Kurz hinter Mehrerau erreiche ich ein kleines Waldstück, das bereits zum Deltagebiet der Bregenzer Ach gehört. Der Fluss entspringt an der Mohnenfluh oberhalb von Schröcken und entwässert den Nordteil des Lechquellengebirges, den Westteil der Allgäuer Alpen sowie beinahe die gesamte Fläche des Bregenzerwalds. 67 Kilometer später mündet er nun hier vor mir in den Bodensee. Ich überquere den Fluß und erreiche die Gemeinde Hard, die zwischen der Bregenzer Ach und dem Rheindurchstich gelegen ist. Ich laufe am Schotterwerk vorbei entlang des Binnenbeckens mit Blick zum Grünen Damm, der hier die Grenze zum Bodensee bildet. Eine Brücke führt mich über die Schwarzachmündung, ein kleiner Damm führt nach Norden und nach etwa einem Kilometer kann ich über angelegte Holzstege auf die andere Seite zum rechten Rheindamm wechseln. Hier stehe ich also am Damm der Rheinmündung, der in den 70er Jahren über etwa 5 km angelegt wurde, um die Sedimentmassen in die tieferen Bereiche des Bodensees zu führen. Das kalte Wasser des Alpenrheins erkennt man an der milchigen Trübung, die durch die mitgeführten Schwebstoffe verursacht wird. Es geht wieder zurück, etwa 2 Kilometer südwärts am Rheindamm entlang bis zur Brücke, die mich auf die andere Rheinseite nach Fußach bringt.

Hinter dem kleinen Örtchen beginnt das Herzstück des Rheindeltas an der Fußacher Bucht. Von Oktober bis März ist die Bucht aufgrund der rastenden Wasservögel für den Menschen komplett gesperrt. Jetzt ankern hier Boote und immer wieder ziehen Gruppen von Radfahrern an mir vorbei und genießen mit mir das schöne Wetter und die wunderschöne Natur hier an einer der wildesten Regionen am Bodensee. Ich laufe durch Riedgebiete zur Halbinsel Rohrspitz und werde von einem Schwarm Wildgänse im Tiefflug überholt. Die nächsten Kilometer geht es durch scheinbar unberührte Natur bis ich den Hafen mit Campingplatz am Rohrspitz erreiche. Als ich am dortigen Kiosk vorbeikomme entdecke ich ein Schild, das den hausgemachten Rindfleischsalat als Empfehlung des Tages anpreist. Ich bemerke, dass ich außer einem Clif-Bar-Müsliriegel heute noch nichts gegessen habe und das Angebot klingt verlockend. Also lege ich kurzentschlossen eine Pause ein und bereue es nicht. Der Rindfleischsalat ist selbstgemacht, frisch und mit steirischem Kürbiskernöl extrem lecker angemacht. Ich genieße jeden Bissen und kann anschleßend frisch gestärkt die zweite Hälfte der Etappe angehen. Es geht weiter durch Feuchtgebiete zur zweiten Halbinsel im Rheindelta, dem Rheinspitz im Westen. Das Naturspektakel setzt sich fort bis zum Auwald des Rheinholz am Rheinspitz, dann habe ich den Alten Rhein und damit die Grenze zur Schweiz und faktisch das Ende der Deltaregion erreicht. Doch nun geht es erst einmal wieder ganze 3 Kilometer flussaufwärts bis zur nächsten Brücke, die mich dann am Grenzübergang Gaißau / Rheineck in die Schweiz führen wird. Leider scheint man sich in Gaißau jedoch nicht der Tatsache bewusst zu sein, dass sich hier der offizielle Wanderweg für den Bodensee-Rundweg befindet. Einen Wander- oder Fußweg sucht man hier vergeblich. Ich teile mir über 3 Kilometer die Straße mit  Scharen von Radfahrern sowie Motorrad- und Autofahrern. Kein wirkliches Vergnügen als Fußgänger und so bin ich froh, als ich endlich die Rheinbrücke und damit dann auch helvetischen Boden erreiche.

Ich lande in Rheineck im Kanton St. Gallen und wandere durch die Altstadt nach Norden bis Buriet. Es folgt der einzig relevante Anstieg des Tages, der mich über 150 Höhenmeter über den „Türlisteig“ und den „Wachtweg“ zum Buechberg führt. Auf dem anschließenen Höhenweg bieten sich immer wieder schöne Aussichten zum See und zum Flughafen St. Gallen-Altenrhein, während sich an der Aussichtsplatform Steiniger Tisch der Blick in die Gegenrichtung nach Hengeten, Thal und Lutzenberg an der Grenze zum Appenzeller Land bewundern lässt. Es geht weiter auf dem Höhenweg über Schloss Greifenstein in Thal bis Windegg mit Schloss Wartensee. Unter mir lässt sich bereits das Etappenziel Rorschach erkennen und der kurze Abstieg auf asphaltiertem Untergrund ist jetzt nicht zwingend knieschonend, aber schließlich komme ich am Seepark an, wo ich mir zum Abschluss des Tages auf einer gemütlichen Bank unter zwei Pappeln noch ein Eis gönne. Morgen geht’s wieder zur Arbeit und in 6 Tagen genau hier weiter.