24,9 km (Distanz)

792 m (Aufstieg)

780 m (Abstieg)

394 m (niedrigster Punkt)

1.058 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Samstag, 20.06.2020

So, die Grenzen sind wieder offen und ich darf nach Österreich einwandern. Das Wetter war in dieser Woche eher durchwachsen, aber an diesem Wochenende ist Besserung vorhergesagt. Also habe ich mich auf den Weg gemacht und beginne die Etappe am Lindauer Hafen gerade, als die letzten Regenwolken durchgezogen sind. Die Straßen sind noch nass als ich über das Kopfsteinpflaster in der Lindauer Altstadt zur Seebrücke laufe, aber die Temperaturen sind ganz angenehm. Dies ist die einzige Etappe auf dem Bodensee-Rundweg mit einer nennenswerten Steigung und so bin ich heute auch nicht scharf auf 30°C Außentemperatur. Von der Seebrücke kann ich zum Pfänder sehen, meinem Zwischenziel an diesem Tag. Am Festland angekommen bleibe ich südlich der Bahnlinie bis ich die Galgeninsel in der Reutiner Bucht passiert habe. Eine Unterführung leitet mich hinter Rickenbach unter der A 96 hindurch und kurze Zeit später stehe ich am Grenzübergang an der Leiblach. 

Ich bin in Österreich, genauer gesagt in Hörbranz und über Feldwege erreiche ich den Kernort mit der Pfarrkirche St. Martin. Um die Ecke befinden sich die Verkaufsräume der Brennerei Prinz, deren holzfassgelagerte „Alte Sorten“ zu meinen Lieblingstropfen zählen. Die „Alte Marille“ ist mein Favorit und auch am Vormittag kann so eine kleine Kostprobe nichts schaden. Hinterher läuft es sich zumindest mal nicht schlechter und das Wetter ist nun auch schon deutlich freundlicher als zu Beginn der Etappe. Hinter Hörbranz beginnt der Aufstieg, der später am Pfänder enden soll. Hier verlasse ich den eigentlichen Bodensee-Rundweg, der strenggenommen unten am See nach Bregenz führen würde, aber dann wäre ich schon am Mittag am Ziel und würde den Hausberg am Bodensee verpassen. Also habe ich meine Etappe umgeplant und gehe nun über Gigglestein und Backenreute auf Forstwegen kontinuierlich aufwärts durch den Wald. Kurz vor Ruggburg quere ich einen Sturzbach und  erreiche wenig später die ersten Häuser von Lutzenreute. Hier kann ich zum ersten mal wieder den See sehen und erkenne, wie weit ich schon aufgestiegen bin. Es geht weiter aufwärts zum Mühlenhof, der mit einer unglaublich schönen Aussicht über den See aufwarten kann. Einige Meter oberhalb des Hofes findet sich an einer Bank am Wegrand dann auch der ideale Platz für eine kurze Trinkpause mit Seeblick.

Über Schlüssellehen und vorbei am Hochberg gelange ich auf dem Käsewanderweg zum Pfänderrücken. Der Weg ist hier als Käselehrpfad mit Infotafeln ausgestattet, die über die Erzeugung von Vorarlberger Käse informieren. In der Folge verbindet er sich mit dem von Scheidegg kommenden Pfänder Höhenweg, immer dem Pfänderrücken folgend, mit schönen Aussichten in die umliegende Bergwelt des Allgäus und des Bregenzerwaldes. Schließlich nähere ich mich dem markanten Sendenmasten am Pfänder und habe mein Zwischenziel erreicht. Das Berghaus Pfänder läd zu einer Pause ein und während unter mir das Rothirschrudel im Alpenwildpark weilt, schweift mein Blick vom See zum spektakulären Panorama von Schweizer Alpen, dem Rheintal, Silvretta und Bregenzerwald sowie Lechtaler und Allgäuer Alpen. Die Aussicht ist grandios und es dauert eine Weile bis ich mich von diesem „Höhepunkt“ im wahrsten Sinne des Wortes wieder lösen kann. Höher komme ich auf meiner Tour um den Bodensee nicht mehr hinaus.

Es folgt der 5 Kilometer lange Abstieg über 630 Höhenmeter nach Bregenz. Die Knie sind gefordert, der Kopf auch, denn an manchen Stellen wird es auf dem Untergrund aus Wurzeln, Steinen und aufgeweichter Erde dann doch etwas rutschig, aber ich komme unbeschadet in der Vorarlberger Landeshauptstadt an. Nach einem trüben Tagesbeginn hat sich das schöne Wetter nun endgültig durchgesetzt, und die tiefstehende Sonne verleiht der Uferpromenade ein fast schon südländisches Flair. Da ich aber in Österreich bin gibt es Wiener Backhendl mit Kartoffelsalat zum Abendessen und dazu einen alkoholfreien Rhabarber-Tonic-Cocktail, was will man mehr zum Ende des Tages. Die benachbarte Seebühne bietet indes bei meinem abschließenden Besuch ein abstraktes Bild: wo sonst fast 7.000 Zuschauer bei untergehender Sonne auf der Bühne im See den berühmtesten Opern der Welt lauschen steht nun nur noch eine leere Arena. Die gesamte Festspielsaison wurde coronabedingt abgesagt und so hat die spektakuläre Bühnenkonstruktion des Rigoletto bereits die Augen geschlossen und wartet auf das Ende der Pandemie und auf eine neue Festspielsaison auf der größten und wohl auch bekanntesten Seebühne der Welt.