25,4 km (Distanz)

30 m (Aufstieg)

31 m (Abstieg)

394 m (niedrigster Punkt)

424 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Montag, 01.06.2020

Pfingstmontag. Die Grenzen sind immer noch geschlossen und sollen erst Mitte Juni wieder geöffnet werden. Nach Bayern komme ich noch ohne illegalen Grenzübertritt und so steht die vorerst letzte Etappe auf deutscher Seite auf dem Plan. Sie führt von Friedrichshafen nach Lindau und beginnt im Stadtgarten von Friedrichshafen, der an diesem Feiertagsmorgen noch menschenleer ist. Über die Seestraße gelange ich zum Zeppelin Museum am Hafen und weiter über die Östliche Uferstraße zu den Liegewiesen an der Rotachmündung. Friedrichshafen liegt hinter mir und ich wandere nahe am See durch den Auwald im Naturschutzgebiet Eriskircher Ried, das sich über die nächsten drei Kilometer bis zur Schussenmündung vor Langenargen erstreckt. Bei Eriskirch beginnen die Iriswiesen, hier entfaltet sich von Mitte Mai bis Anfang Juni alljährlich die üppigste Farbenpracht. Tausende Sibirische Schwertlilien, auch Iris genannt, verwandeln die Riedwiesen in ein blaues Blütenmeer, in das einige gelbe Farbtupfer der Wasser-Schwertlilie eingestreut sind. Ich habe das Glück, genau jetzt zur Blütezeit hier unterwegs zu sein und komme so in den Genuss dieses wunderbaren Farbenspiels der Natur. Ich folge dem Weg in Richtung Langenargen, überquere die Schussen und erreiche die Flussmündung in den Bodensee an den Schwediwiesen. Hier endet das Eriskircher Ried und Langenargen beginnt. Kurze Zeit später erblicke ich das auf einer kleinen Landzunge gelegene Schloss Montfort, das Wahrzeichen der Gemeinde. An der Uferpromenade im Hafenbereich tummeln sich die Touristen und es fällt einmal mehr auf, dass die Bodenseeurlauber die bestehenden Abstandsregeln nicht besonders ernst nehmen.

Mich zieht es weiter, am Malerwinkel von Langenargen vorbei und über die Argen nach Tunau und Kressbronn. Auf der heutigen Etappe ist der Bodensee-Rundweg bislang weitgehend identisch mit dem Bodesee-Radweg. Das heißt, dass sich Wanderer und Radfahrer den Weg teilen und das macht sich an einem Feiertag natürlich auch bemerkbar, besonders bei einem Traumwetter wie heute. Ich muss also ständig auf der Hut sein, insbesondere vor der E-Bike-Fraktion im gehobenen Alter, die ihr Sportgerät nicht wirklich beherrscht. Ein wenig könnte die Wanderfreude durch die Flut der antriebsunterstützten Radler schon getrübt werden, aber das Wetter ist viel zu genial und die Gegend zu schön um hier Trübsal zu blasen. Ich versuche, die Zweiradfahrer zu ignorieren und habe das Gefühl, dass das irgendwann dann auch klappt. Ich bin in Bayern angekommen. Hinter Kressbronn habe ich unbemerkt die Landesgrenze überquert und wandere nun durch Obstgärten und Weinlagen nach Nonnenhorn.

Der Übergang nach Wasserburg ist fließend. Der Wanderweg führt über das Naturschutzgebiet Wasserburger Bucht und am Ende der Bucht ragt die denkmalgeschützte Halbinsel Wasserburg mit dem Renaissance-Schloss, der Kirche St. Georg und dem Malhaus in den Bodensee. Der Wasserburger Hafen befindet sich auf der Ostseite der Halbinsel und ist einmal mehr fest in  touristischer Hand. Das schreckt mich heute nicht mehr, aber zu einer Einkehr kann ich mich hier doch nicht durchringen. Es sind noch etwa 5 Kilometer bis Lindau und ich möchte lieber mit Blick auf den Lindauer Löwen am Etappenende pausieren. Etwas abseits des Ufers wandere ich weiter über Reutenen durch den Park der Villa Alwind zum pittoresken Lindenhofpark. Am Ende der klassizistischen Gartenanlage inmitten der Lindauer Villenlandschaft empfängt mich das mondän wirkende Hotel Bad Schachen und ich fühle mich in meinen staubigen Wanderklamotten etwas deplaziert, als ich den Hotelpagen und die geschniegelten Gäste samt Nobel-SUV am Hoteleingang passiere. Macht nix, ich darf hier sein, ist Teil des Wanderweges, der nun auf die Zielgerade einbiegt. Über den Bahndamm erreiche ich die historische Altstadt von Lindau und schließlich begrüßt mich auch der Löwe am Ziel meiner Etappe … und tatsächlich erhalte ich auch noch ein Tischlein im Biergarten mit direktem Löwen- und Hafenblick. Österreich ist ebenfalls in Sichtweite, mit Öffnung der Grenze geht’s wieder weiter, jetzt erst mal Pause …