34,2 km (Distanz)

107 m (Aufstieg)

118 m (Abstieg)

394 m (niedrigster Punkt)

466 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Samstag, 30.05.2020

Heute stehen 34 Kilometer von Überlingen nach Friedrichshafen auf dem Programm und ich habe wieder einen richtig schönen Tag für diese Wanderung gewählt. Die Etappe ist flach, nur etwa 100 Höhenmeter sind auf der ganzen Strecke zu überwinden und so fallen die 34 Kilometer nicht ganz so sehr ins Gewicht. Insbesondere die erste Etappenhälfte bis Hagnau ist abwechslungsreich und voller Höhepunkte und so beginne ich die Wanderung gut gelaunt um 8:00 Uhr am Franziskanertor in Überlingen. Nach wenigen Metern erreiche ich die Seepromenade, an der ich die letzte Etappe beendet hatte und laufe von hier über Seestraße und Strandweg weiter nach Nußdorf. Der Weg führt entlang der Bahnlinie und nach etwa einer Stunde erreiche ich die Klosterkirche Birnau. Für meinen Geschmack etwas zu protzig ausgestattet ist die Barockkirche dennoch wunderschön etwas oberhalb des Seeufers von Maurach gelegen. Am frühen Morgen herrscht hier an der Birnau noch eine friedliche Atmosphäre und bei weiterhin geschlossenen Landesgrenzen befinden sich nur ein paar Besucher aus der näheren Region auf dem Vorplatz der Wallfahrtskirche. Irgendwann werden hier auch wieder die üblichen Touristenströme aus aller Welt in Bussen eintreffen, aber dann bin ich schon lang weitergezogen. Im Moment habe ich die Zeit und die Muße für eine Besichtigung der Kirche und kann dann in Ruhe weiterwandern.

Nach kurzer Zeit erreiche ich den idyllisch gelegenen Weiler Seefelden, einen Teilort von Uhldingen-Mühlhofen. Der 300-Jahre alte Fachwerkbau des Fischerhauses liegt malerisch in der Morgensonne am Seeufer und die Pfarrkirche St. Martin mit dem Kirchturm aus dem 12. Jahrhundert ist im Vergleich zur Birnau deutlich schlichter, aber nicht minder schön. Sobald ich die Kirche hinter mir gelassen habe tauche ich ein in das 55 Hektar große Naturschutzgebiet der Seefelder Aachmündung. Über Riedflächen führt der Weg zur Aachbrücke und anschließend an der Grenze des Naturschutzgebiets bis Unteruhldingen. Rechter Hand liegt die bekannteste Sehenswürdigkeit des Ortes, das Pfahlbaumuseum. Das Freilichtmuseum gehört seit 2011 zum UNESCO Weltkulturerbe und zeigt Rekonstruktionen von Pfahlbauten aus der Stein- und Bronzezeit. Normalerweise strömen etwa 300.000 Besucher pro Jahr zum Pfahlbaumuseum, das damit zu den größten Freilichtmuseen Europas zählt. Zu Zeiten von Corona ist jedoch auch hier noch nichts normal, das Museum ist überhaupt erst seit ein paar Tagen wieder geöffnet und wirkt noch wie ausgestorben. Ich schaue mir die Pfahlbauten vom Seegarten und dem Hafenanleger aus an und marschiere dann weiter. Am Ortsende von Unteruhldingen steigt der Weg an und führt mich in ein Waldgebiet, das im Gehautobel kurz vor Meersburg endet. Ich überquere den Tobelbach und steige aufwärts zu einer Picknickstelle im Wald, die mich geradezu auffordert, hier zu rasten. Ein Wrap mit geräuchertem Thunfisch und ein paar Cashewnüsse geben mir die nötige Energie für die weitere Wanderung, die mich anschließend über die Weinberge am Droste-Hülshoff-Weg nach Meersburg führt. Ich laufe oberhalb des Fähranlegers und der Burg und gelange schließlich zum „Neuen Schloss“ in die Altstadt. Nachdem die bisherige Wanderung trotz einiger Touristenziele eher beschaulich ablief, fällt hier der Trubel in der Innenstadt auf. Die Baden-Württemberger wollen das Pfingstwochenende nutzen und wenn man nicht ins Ausland darf geht’s eben an den Bodensee. Die geltenden Abstandsregeln werden hier kaum noch eingehalten, schwer vorstellbar dass ich vor kuzem noch in der Einsamkeit des Waldes am Gehautobel gepicknickt habe. Die Kleinstadt ist schön, keine Frage, aber das ist die weitere Wanderung auch und so denke ich mir „in der Kürze liegt die Würze“ und begebe mich in die Weinberge, die sich am östlichen Ende von Meersburg befinden.

Ich wandere durch Rebwege, immer mit Seeblick, und passiere die Kriegsgräber- und Gedenkstätte Lerchenberg. Vor mir liegt das Weingut Aufricht, die machen richtig gute Weine und die Versuchung ist groß hier einzukehren und ein wenig zu probieren. Mein absoluter Lieblingswein wird jedoch nur unweit von hier produziert und gerade mal 2 1/2 Kilometer weiter zur Verkostung angeboten und verkauft. Ich laufe also weiter und erreiche das Fischer- und Winzerdorf Hagnau. Der markante Kirchturm von St. Johann Baptist weist mir den Weg, denn unmittelbar neben der Kirche finde ich den Winzerverein Hagnau, die älteste Winzergenossenschaft in Baden. Der Grauburgunder vom Hagnauer Burgstall hat es mir angetan und ich freue mich, dass trotz Corona die Verkostungen möglich und die Verkaufsräume geöffnet sind. Der Mundschutz ist Pflicht bei der Bestellung am Tresen, zur Verkostung darf ich ihn glücklicherweise aber abziehen :-). Schmeckt genauso gut wie immer, also nehme ich gleich eine Flasche mit.

Ich weiß nicht ob’s am Wein liegt oder ob ich unnkonzentriert bin, aber das nächste Teilstück bis Immenstaad läuft recht unspektakulär ab. Ich wandere am Ufer entlang und erreiche irgendwann die Gemeinde am nördlichen Bodensee. Ich verweile kurz am weit in den See hineinragenden Anleger, mit der eben eintreffenden „MS München“ kommen jedoch auch wieder die Pfingstwochenendtouristen und mich zieht es weiter gen Friedrichshafen. Es folgt das unerfreulichste Teilstück der gesamten Bodenseetour. Es geht in Richtung Werksgelände der Airbus Defence and Space GmbH. Gut für die Industrie, schlecht für die Wanderer. Die weichen hier aus und laufen entlang der vielbefahrenen Bundesstraße B31. Zu allem Unglück ist der Wanderweg vor mir auf einmal unvermittelt auch noch gesperrt und eine Umleitung ist nicht ausgeschildert. Super. Ich könnte theoretisch auf der anderen Seite der Bundesstraße weiterwandern, muss dazu aber erst mal auf die andere Straßenseite kommen und dann laut meinem GPS eventuell einen Umweg von mehreren Kilometern in Kauf nehmen. Alternativ könnte ich den Bus nach Fischbach nehmen, aber wer will das schon bei einer Wanderung. Da der Grund für die Sperrung von meinem Standpunkt aus nicht ersichtlich ist hoffe ich auf eine kurze Sperrzone die es mir erlaubt, kurzfristig wieder auf den ursprünglichen Wanderweg zurückzukehren und entscheide mich für’s weiterlaufen. Ein junger Vater, der gerade mit seinem Kinderwagen angekommen ist, hat die selbe Idee und stoppt todesmutig die heranfahrenden PKW’s. Diese halten, den Kinderwagen erblickend, ehrführchtig an und ich nutze die Gunst der Stunde und quere mit ihm die Bundesstraße. Zu meiner Erleichterung kann ich nach kurzer Zeit feststellen, dass hier gebaut wird und der Wanderweg auf der anderen Straßenseite wieder benutzbar ist. Bei einer Baustellenampel bietet sich die Gelegenheit, wieder zurückzuwechseln auf den ursprünglichen Wanderweg und ein paar Minuten später erreiche ich Fischbach. Hier führt der Wanderweg wieder abseits der Bundesstraße hin zum Ufer und ich darf die letzten 6 Kilometer der heutigen Etappe wieder mit Seeblick und ohne lärmende Autos oder Touristen weiterwandern. Als ich am Schlosspark ankomme habe ich Friedrichshafen, die zweitgrößte Stadt am Bodensee, erreicht. Ich muss nur noch auslaufen, am Graf-Zeppelin-Haus und am Yacht-Club vorbei zum Stadtgarten. Im Biergarten des Restaurant Lammgarten beende ich meine Etappe, strecke die Füße von mir und freue mich über einen Teller Spaghetti Bolognese und den Seeblick an diesem lauen Spätnachmittag im Frühsommer.