27,3 km (Distanz)

470 m (Aufstieg)

653 m (Abstieg)

394 m (niedrigster Punkt)

691 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Freitag, 22.05.2020

Zweiter Tag auf dem Bodensee-Rundweg. Der Wetterdienst prophezeit gute Wanderbedingungen, jedoch zum Nachmittag hin deutlich mehr Wolken als am Vortag. Ich starte am Hof Höfen, wo vom bierseligen Treiben des Vorabends nichts mehr zu spüren ist. Ich bin alleine hier und kann die Geräusche, die Stimmung und den Duft des Waldes in diesen frühen Morgenstunden mit allen Sinnen greifen. Über den Pfrundacker geht’s zum Grillplatz Stöckenloch, ich passiere die Abzweigung zum Echotal und gelange über den Lerchenacker schließlich zum Bodenwald. Die dort grasenden Bisons und ihre Kälber lassen sich durch meine Ankunft nicht irritieren, sie sind Menschen gewohnt. Während ich die Tiere ein wenig beobachte treffen auch schon die ersten Besucher über die Liggeringer Zufahrtsstraße am Bisongehege ein. Überrascht stelle ich fest, dass ich unter Ihnen Elisabeth erkenne, die ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr getroffen habe. Sie hat mich auch gleich wiedererkannt und nach einer kurzen Begrüßung stellen wir fest, dass wir uns mindestens 12 Jahre lang nicht mehr gesehen haben. Nachdem wir uns ein wenig ausgetauscht haben zieht sie mit ihrer Familie Richtung Bisons weiter, während ich mich auf den Weg durch den Wald Richtung Bodman mache, das 250 Meter unter mir am westlichen Seeufer liegt.                 

Schon nach wenigen Minuten erreiche ich die Ruine Altbodman, die herrliche Ausblicke über den Überlinger See und zum gegenüberliegenden Frauenberg mit dem dortigen Kloster bietet. Die Besichtigung der Ruine ist Pflicht und trotz der aufziehenden Wolken kann ich die schöne Aussicht genießen. Anschließend geht es in Serpentinen über die Schlosshalde bergab bis nach Bodman. Ich streife die Ausläufer der Gemeinde am westlichen Bodensee und gelange schon bald auf den Uferweg nach Ludwigshafen. Die Stockacher Aach mündet hier in den See und die mit Gehölzen und Schilfflächen durchsetzte Landschaft bietet den idealen Lebensraum für viele Vogelarten. Ich bleibe auf dem markierten Wanderweg um Flora und Fauna im Naturschutzgebiet der Riedwiesen nicht zu gefährden, aber auch vom Weg aus kann ich mich an der Schönheit der Natur im Bereich der Flachwasserzone am westlichen Bodenseeufer erfreuen. Über den Campingplatz Schachenhorn gelange ich nach Ludwigshafen. Es geht vorbei an der Landestelle mit dem alten Zollhaus und schon bald befinde ich mich wieder außerhalb des Ortskerns auf dem von Kirschbäumen gesäumten Wanderweg. Dieser ist hier vorübergehend identisch mit dem „Blütenweg“, einem Rundweg durch die Steiluferlandschaft zwischen Ludwigshafen und Sipplingen. Der Weg führt durch Streuobstwiesen über ein Waldgebiet im Beerental bis zum Sipplinger Ortsrand und gedanklich bereite ich mich bereits auf eine Kaffepause am vor mir liegenden Haldenhof vor. Doch das Höhengasthaus mit der wunderschönen Aussicht liegt hoch über Sipplingen und so stehen jetzt auf dem nächsten Kilometer erst einmal knapp 250 Höhenmeter Aufstieg auf dem Programm. Im kühlen Wald komme ich gut voran und nachdem ich die Ruine Hohenfels passiert habe kann ich schließlich den Haldenhof sehen. Ich bin heute nicht der erste Gast hier, aber das stört mich nicht. Es findet sich noch ein Plätzchen für mich im Biergarten und Dank der Corona-Abstandsregeln habe ich trotz des allgemeinen Trubels an diesem beliebten Ausflugsziel meine Ruhe und kann das wohlverdiente Stück Erdbeerkuchen mit Cappuccino und den traumhaften Ausblick über den See genießen.

Die obligatorische Trägheit nach der Kaffeepause ist am heutigen Tag nicht von Bedeutung, denn von nun an gibt es keine relevanten Anstiege mehr. Es geht weiter auf einem geologischen Lehrpfad durch den Wald und über einen schmalen Hohlweg hinauf zum Aussichtspunkt Steinbalmen. Von hier wandere ich sanft bergab über einfache Wald- und Feldwege bis zum nächsten Aussichtspunkt an der Zimmerwiese, wo sich erneut ein traumhafter Blick über den See und den Bodanrück bis ins Thurgau und das dahinter liegende Appenzellerland mit dem Alpstein eröffnet. Kurze Zeit später nähere ich mich schon dem Hödinger Tobel, dem nächsten Highlight der Etappe. Der reizvoll angelegte Weg führt mich tief in die natürliche Schlucht, die der Tobelbach in das weiche Molassegestein gegraben hat. Ich überquere den Tobelbach und genieße die Stille und die urwaldartige Atmosphäre hier im Naturschutzgebiet des Hödinger Tobels. Am Tobelende erwartet mich wieder die Zivilisation in Form der namensgebenden Ortschaft Hödingen. Nachdem ich das landwirtschaftlich geprägte 800-Seelen-Dorf passiert habe gelange ich am Ortsende zu einem Feldweg mit einem unspektakulär anmutenden kurzen Anstieg. Dieser führt zum Torkelbühl und beschert mir völlig unerwartet nochmals einen absolut traumhaften Ausblick über den See und das dahinter liegende Bergpanorama. Hier muss ich einfach kurz stehenbleiben und den Moment festhalten – wie schön, dass es auch in Zeiten von geschlossenen Grenzen und Reisewarnungen solch schöne Naturerlebnisse in der näheren Umgebung gibt!

Das Ende der Etappe naht, aber es folgen noch weitere Sehenswürdigkeiten auf den letzten Kilometern vor Überlingen. Der kurze Abstieg vom Torkelbühl eröffnet den Blick auf Schloss Spetzgart, das heute als Außenstelle des Internats Schloss Salem genutzt wird. Unmittelbar hinter dem Schloss beginnt die nächste wildromantische Tobellandschaft, der etwas kleinere Spetzgarter Tobel. Hier hat sich der Killbach bis zu 65 Meter tief in den Sandstein eingegraben und der Abstieg zum Tobelgrund über den sich windenden schmalen Pfad ist ähnlich bewandernswert wie zuvor der Hödinger Tobel. Am Ende des Spetzgarter Tobels ist Auslaufen angesagt. Eine Unterführung bringt mich auf die andere Seite der Bundesstraße B31 und weiter zum Ortsrand von Goldbach zum letzten Aussichtspunkt der Etappe am Eglisbol. Da ich außer meinem Stück Erdbeerkuchen am Haldenhof heute noch nichts gegessen habe, verschwimmt hier so langsam der schöne Ausblick auf den See und stattdessen tauchen mögliche Menükompositionen vor meinem geistigen Auge auf. „Pizza“ macht schließlich das Rennen um meine Gunst und da coronabedingt die Einkehr in die Innenräumen der diversen Trattorien in Überlingen noch etwas erschwert ist bestelle ich vom Eglisbol aus kurzerhand per Handy eine Pizza „to-go“, die ich etwa 15 Minuten später in der Pizzeria Nero in Überlingen ofenfrisch in den Händen halte. Ich begebe mich mit meiner wertvollen Fracht die letzten Meter hinunter zur Seepromenade in Überlingen und genieße … Seeblick, Pizza und eine wunderschöne Wanderung in den Beinen, was will man mehr …