19,4 km (Distanz)

595 m (Aufstieg)

614 m (Abstieg)

1.493 m (niedrigster Punkt)

1.737 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Dienstag, 11.08.2020

Letzter Tag auf dem Vinschger Höhenweg und erneut habe ich Glück mit dem Wetter, das Gewitter vom Vorabend ist längst durchgezogen und die Morgensonne begrüßt mich unbeschwert, als ich nach dem Frühstück in Planeil aufbreche um die letzten knapp 20 Kilometer auf dem Höhenweg zu wandern. Das Höhenprofil der heutigen Abschlussetappe und die zu bewältigende Distanz sprechen für eine gemütliche Wanderung zum Reschensee und zur Etschquelle in den Ötztaler Alpen und da ich keinen Zeitdruck habe nehme ich mir genau das vor, gemütlich zu wandern und nochmals die Natur hier im Vinschgau zu genießen.

Von Planeil führt mich der Höhenweg zunächst oberhalb von Ulten entlang des kargen Hanges in den Weiler Alsack, immer mit Blick nach Westen Richtung Burgeis mit der Fürstenburg und dem Kloster Marienberg. Von Alsack geht es nun für ca. 30 Minuten leicht bergauf ansteigend auf einer geteerten Straße bis ich den Weiler Plawenn erreiche, der am Beginn des Schuttkegels der Malser Haide gelegen ist. Am Ortseingang von Plawenn befindet sich der gleichnamige, höchstgelegene noch bewohnte Adelsansitz der Alpen auf 1.730 Metern. Die Wegstrecke führt weiter durch den Talaiwald oberhalb des Weilers Dörfl mit Blick zum Haidersee. Über eine Forststraße und über Bergwiesen geht es weiter leicht absteigend durch den lichten Lärchenwald oberhalb von St. Valentin bis ich schließlich am Inneren Talaiwald auf das Südufer des Reschensees treffe.

Ich überquere die Hauptstraße und befinde mich nun auf der Seepromenade, die auf einer Strecke von fast drei Kilometern am Seeufer entlangführt. Als ich Graun im Vinschgau erreiche wird es zunehmend touristischer, was nicht verwundert, denn die markanteste Sehenswürdigkeit des Vinschgaus befindet sich unmittelbar vor mir: der Turm im See, der als Wahrzeichen der Region von den versunkenen Dörfern zeugt, die durch die Errichtung des Stausees im Jahr 1950 überflutet wurden. Ich finde den Anblick des Turms jedes mal auf’s neue interessant und imposant und muss hier erst einmal eine ganze Zeit lang stehen bleiben. Wie gesagt, Zeitdruck habe ich heute nicht, ich werde nach meiner Ankunft am Ziel noch für eine Nacht im Vinschgau bleiben und erst morgen wieder gemütlich zurückfahren, also kann ich hier ruhig noch ein wenig stehen bleiben und den Anblick der aus dem Wasser ragenden Turmspitze aufnehmen, die Touristen um mich rum nehme ich irgendwie gar nicht wahr. Nachdem ich den Turm lange genug von allen Seiten betrachtet habe breche ich wieder auf um die letzten vier Kilometer meiner Wanderung auf dem Vinschger Höhenweg zu absolvieren. 180 Höhenmeter sind noch einmal zu bewältigen, die meisten davon gleich hinter Graun im Anstieg zu den oberhalb des Sees gelegenen Klopairhöfen. Der Blick zurück offenbart hier noch einmal das gesamte Panorama des unter mir liegenden Reschensees mit dem Ortler im Hintergrund, vor mit kann ich bereits Reschen am Seende entdecken. Durch den Wald und über Wiesen erreiche ich den Ortsrand von Reschen, zwei Mountainbiker kommen unvermittelt seitlich von mir aus dem Wald geschossen und fahren in hohem Tempo den Berg hinab, ich glaube die haben mich gar nicht gesehen, so schnell waren die unterwegs. Ich bleibe lieber beim gemütlichen Wandertempo und erreiche oberhalb von Reschen einen Parkplatz am Sportplatz. Hier weist ein gut sichtbares Schild den Weg zur Etschquelle, 500 Meter sind es noch dorthin und es geht noch einmal auf dem weichen Waldboden durch den lichten Wald, vorbei an einer Grillstelle und am Etschquellbunker bis zum Ziel der Tour: die Quelle der Etsch, die hier nur wie ein Rinnsal aus dem Stein tropft und 415 Kilometer weiter südlich von Venedig in die Adria mündet.

Ich bin am Ziel angekommen, ein paar hundert Meter unterhalb von mir liegt Reschen am See, wo ich vor fünf Tagen mein Auto geparkt habe. Fünfzehn Minuten später bin ich dort und fahre zu meiner Unterkunft in Burgeis, wo ich noch einmal übernachten werde. Nachdem ich geduscht und mich umgezogen habe wartet jetzt noch ein Abendessen auf mich und ich verspüre das Bedürfnis hier auf Südtiroler Boden nach bislang Knödeln, Pasta, Polenta und Risotto nun noch eine Pizza zum Abschluss zu genießen. Die Auswahl im Vinschgau ist groß, so dass mir ein Blick ins Internet bei der Wahl der Pizzeria weiterhelfen muss. St. Valentin macht schließlich das Rennen, die Pizzeria „Katrin“ gilt als Geheimtipp unter den Einheimischen, abseits der Touristenströme. Eine gute Wahl, wie sich kurze Zeit später herausstellen wird, es ist ruhig hier abseits der Hauptstraße, und ich genieße meine Pizza an meinem letzten Abend im Vinschgau zum Abschluss der Höhenwegwanderung.