20,6 km (Distanz)

351 m (Aufstieg)

1.286 m (Abstieg)

311 m (niedrigster Punkt)

1.281 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Sonntag, 06.10.2019

Die letzte Etappe auf der Via Spluga. Auslaufen ist angesagt, es geht fast nur noch abwärts bis Chiavenna. Dort muss ich den Bus erreichen, der mich wieder über den Pass zurückbringt, daher ist erst mal nix mit ausschlafen und gemütlich frühstücken. Da die erste Mahlzeit des Tages in Italien in der Regel jedoch sowieso eher dürftig ausfällt ist es mir am Vorabend nicht schwer gefallen, bereits mein Zimmer zu bezahlen und mir vom Patrone eine Brioche und einen Fruchtsaft für den nächsten Morgen aushändigen zu lassen. So verlasse ich also nun um 07:00 Uhr kurz vor Sonnenaufgang meine Herberge in einem Nebengebäude des Locanda Cardinello in Isola und mache mich in der einsetzenden Morgendämmerung auf den Weg. Während die Berggipfel bereits von der Sonne angestrahlt werden gehe ich gemütlich am linken Seeufer des Lago d’Isola entlang und nehme mein Frühstück zu mir. Nachdem ich den See hinter mir gelassen habe verläuft der Weg über einen steilen Abstieg zum Fluß Liro hinunter. Von hier aus geht es waldabwärts, immer dem Liro folgend, bis ich die Ebene um Campodolcino erreiche.

Ich bin weitgehend alleine unterwegs, wie auch an den vorherigen Tagen treffe ich während der Wanderung kaum auf andere Hiker. Die ausführliche Beschilderung, die ich von Schweizer Seite gewohnt war wird hier deutlich spärlicher, aber noch ist der Weg klar erkennbar und führt an Campodolcino vorbei bis zum Stausee von Prestone. Am Ortsende zeigen sich bereits erste Ausblicke in die lombardische Tiefebene zum Etappenziel Chiavenna und über schöne Wiesenwege und durch Kastanienwälder geht es weiter abwärts zum Weiler Vho. Flussabwärts bei Squadra wechselt der Weg auf die linke Flussseite, wenig später geht es bei Cimaganda über eine Hängebrücke wieder zum rechten Liroufer.

Die Qualität des Wanderweges nimmt ab hier spürbar ab, ich durchquere ein Baustellengebiet und habe zunächst Glück, dass ich die unscheinbaren Umleitungsschilder des Wanderweges erkenne. Ich werde zu einer Geröllhalde geleitet, die nur durch eine Klettereinlage zu überqueren ist. Während ich diese passiere löst sich einer der Felsbrocken und rutscht ein paar Meter abwärts, das hätte auch schief gehen können! Auf der anderen Seite der Steinwüste setzt sich der Wanderweg zunächst wieder unscheinbar fort und führt zur kleinen Kapelle Vallesegna im Wald. Ich laufe weiter, wieder an Baustellenarealen und Umleitungen entlang und stehe schließlich am Flußbett des Liro. Ein Wanderweg ist hier nicht mehr auszumachen, Schilder gibt es keine und der auf meinem GPS markierte Weg ist nicht existent. Rechts von mir ist ein dichter Waldhang, vor mir ein unüberwindbarer Felsen, links von mir der Fluß und in Hörweite dahinter die Autostraße nach Chiavenna. Nachdem ich eine Weile umhergeirrt bin und beim besten Willen keinen Wanderweg entdecken kann merke ich, dass ich langsam auf die Zeit achten muss, um meinen Bus in Chiavenna nicht zu verpassen. So bleibt mir nur noch ein Ausweg und ich entschließe mich, den Liro über die im Fluß liegenden Steine zu überqueren. Ich komme trockenen Fußes ans andere Flußufer und muss nun noch einen etwa zehn Meter hohen Anstieg zur Fahrstraße überwinden, was mir zunächst auch problemlos gelingt. Doch nun taucht noch ein weiteres Hindernis vor mir auf, ein ca. fünf Meter breiter, mit Dornengestrüpp bewachsener Streifen trennt mich von der Fahrstraße und so mache ich mich auf und überwinde auch diesen. Als ich auf der Straße angekommen bin merke ich, dass ich langsam die Lust an dieser Abschlussetappe verliere und so will ich jetzt nur noch eins: Ankommen. Auf der Straße komme ich nun wieder zügig voran und über San Giacomo Filippo erreiche ich schließlich den Zielort Chiavenna. Als ich schließlich im Bus Richtung Splügen sitze und über den Pass wieder zurück in die Schweiz fahre kann ich aus meinem Fenster die schöne Natur bewundern, die ich in den letzten 48 Stunden durchwandert habe. Und ich kann feststellen, wie sich meine Laune angesichts der schönen Bergwelt und des erreichten Ziels schon wieder merklich bessert, denn eigentlich war die gesamte Tour auf der Via Spluga bis auf diese letzten Kilometer bewandernswert schön.