29,3 km (Distanz)

538 m (Aufstieg)

593 m (Abstieg)

383 m (niedrigster Punkt)

510 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Freitag, 14.06.2019

Kurz vor 6:00 Uhr werden wir vom Regen geweckt, der sanft auf unser Zelt prasselt und uns zum Aufstehen animiert. Während wir unseren bärengesicherten Rucksack mit dem Proviant holen hat der Regen schon wieder nachgelassen und so nehmen wir unser Frühstück, bestehend aus Trail Mix, Müsliriegel und einem Dunkin‘ Donuts Eiskaffee, an der Feuerstelle im Freien zu uns. Anschließend bauen wir das Zelt ab und füllen unsere Trinkflaschen mit gefiltertem Wasser aus dem nahe gelegenen Fluss auf.

Bei leichtem Nieselregen beginnen wir unsere Wanderung und der Trail führt uns über Wiesen entlang einer Reihe von Biberteichen. Während der Weg ansteigt und einen Ahornwald erreicht hat es aufgehört zu regnen, da sich die Regenjacke als Moskitoschutz bewährt lasse ich sie jedoch erst einmal an. Wir gelangen zum „Twelve-Mile View“, einem Aussichtspunkt Richtung Lake Superior, von hier geht es wieder abwärts bis wir den Rossini Road Trailhead Parkplatz erreichen. Die SHT-Association hat auf ihrer Website über einen toten Wolf am Trailhead informiert und tatsächlich entdecken wir das verendete Tier im Gras in der Nähe des Parkplatzes. Hier in der Wildnis der North Woods Minnesota’s lässt man der Natur ihren Lauf und so gehen wir schließlich mit entsprechendem Respekt weiter.

Es geht durch einen Mischwald und immer wieder überqueren wir Nebenflüsse des McCarthy Creek auf kleinen Brücken. Wir wandern weiter durch Ahornwälder und Mischwälder aus Tannen, Espen und Birken, bis wir die McCarthy Creek Campsite erreichen. Der namensgebende Bach führt am Zeltplatz vorbei zu einem kleinen Wasserfall, an dem der SHT den McCarthy Creek über eine Brücke quert und bereits nach zwei weiteren Kilometern erreichen wir bei der Ferguson Campsite den nächsten Zeltplatz. Mittlerweile haben wir wieder richtig schönes Wanderwetter, haben unser gemeinsames Wandertempo gefunden und kommen gut voran. Vor uns liegen noch ca. 15 Kilometer bis zu unserem Ziel, an dem wir gegen 16:00 Uhr mit Phil verabredet sind, der uns wieder zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung bringen wird.

Wir queren eine Holzabfuhrstraße bei einem großen Findling und erreichen einen langgestreckten Rotkiefernwald, in dem wir immer wieder riesige Hufspuren eines Elchs im morastigen Boden entdecken können. Schließlich gelangen wir zum kristallklaren Stewart River samt zugehöriger Campsite und kurze Zeit später stößt der North Shore State Trail auf den SHT. Beide Wege verlaufen auf etwa 300 Metern gemeinsam bis zu einer alten Eisenbahnüberführung. Hier trennen sich die Wege wieder und schon bald tauchen wir wieder in einen Mischwald ein. Wir sind gerade damit beschäftigt Phil zu kontaktieren, als wir im Wald ein Geräusch wahrnehmen, das wie das Jammern eines Jungtieres klingt. Urplötzlich rennt ein Rehkitz in höchster Geschwindigkeit unmittelbar an mir vorbei, einige Sekunden später folgen ein paar Meter entfernt zwei weitere Tiere. Eines davon können wir eindeutig als ausgewachsene Hirschkuh identifizieren, das dritte Tier jedoch ist kleiner und stämmiger und passt nicht in die Kategorie Rotwild. Da die ganze Aktion in Sekundenschnelle ablief können wir uns nicht sicher sein, vermuten aber, dass wir neben dem toten Wolf beim Rossini Road Trailhead nun auch einen lebenden Wolf gesehen haben, der der Grund für die panikartige Flucht des Rotwildes gewesen sein dürfte. Wir diskutieren noch eine ganze Zeit lang was wir hier gerade gesehen haben, aber es ist schon lang wieder Ruhe eingekehrt im Wald und nur die Vögel zwitschern unbeeindruckt um uns herum.

Der Trail passiert noch einmal eine Holzabfuhrstraße und taucht dann in einen Ahornwald ein, in dem wir auf einmal Phil begegnen, der uns ein Stück entgegengekommen ist und uns mit frischem Wasser versorgt. Die letzte Wegstrecke bis zu unserem Ziel am Reeves Road Trailhead Parkplatz gehen wir gemeinsam und tauchen dann wieder ein in die Zivilisation. Phil fährt uns ins wenige Minuten entfernte Two Harbors, wo wir erst bei Culver’s mit einem ButterBurger und Fries unseren Hunger stillen und anschließend mit einem Craft Beer der lokalen Castle Danger Brewery auf unsere ersten beiden Tage auf dem SHT anstoßen.

To be continued …