10,0 km (Distanz)

482 m (Aufstieg)

266 m (Abstieg)

1.823 m (niedrigster Punkt)

2.304 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Freitag, 31.08.2018

Das Tagesziel meiner Einstiegswanderung auf der Senda Sursilvana ist der Oberalppass, der die Grenze zwischen den Kantonen Uri und Graubünden darstellt und wo die Surselva, die ich in den nächsten Tagen durchwandern will, beginnt. Der ursprüngliche Plan sieht vor, in ca. fünf Stunden von Andermatt über den Lutersee und die Hochebene bei der Fellilücke zum Oberalppass aufzusteigen. Mein erstes Problem ist, dass ich vormittags noch arbeite und erst gegen 14:00 Uhr in Andermatt ankomme. Mein zweites Problem ist das Wetter, denn es regnet kontinuierlich und die Wolkendecke hängt so tief, dass die Bergwelt über Andermatt in den dichten Nebelschwaden verschwindet und die schöne Aussicht von der Hochebene ins Urserental nicht zu genießen sein wird. Mein drittes Problem eröffnet sich bei meiner Ankunft in Andermatt, wo man mir mitteilt, dass der geplante Wanderweg zum Oberalppass wegen Bauarbeiten gesperrt sei. Umleitungen seien nicht ausgeschildert und von einer Begehung des gesperrten Abschnittes im Nebel rät man mir dringend ab. So ändere ich kurzfristig meinen Plan, ziehe meine Regenkleidung an und steige oberhalb von Andermatt auf dem einzig verfügbaren und sinnvollen Weg in meine Wanderung ein.

Ich befinde mich im Urserental in der Nähe der Flur Nätschen auf ca. 1.800 m und der Weg führt entlang der mäandrierenden Oberalpreuss durch offene Weideflächen im Hochtal der Oberalp. In einiger Entfernung verläuft links von mir die Schweizer Hauptstrasse 19 sowie die Oberalpstrecke der Matterhorn-Gotthard-Bahn, auf der ich immer mal wieder den Glacier Express erkennen kann. Die umstehenden Kühe schauen mich neugierig und verwundert an, als hätten sie die Begegnung mit einem menschlichen Wesen hier nicht erwartet und tatsächlich scheint außer mir auf diesem Wanderweg heute niemand mehr unterwegs zu sein.

Es geht auf einem aufgeweichten Versorgungspfad durch das Flachmoor der Oberalp und im Norden ist der Hang zum Grat des Schijenstocks zu erkennen. Als ich den Oberalpsee erreiche hat es aufgehört zu regnen und so lege ich eine Pause am See ein und genieße die Kekse, die meine Tochter noch für mich gebacken hat. Anschließend geht es weiter am nördlichen Seeufer entlang Richtung Oberalppass. Ich nähere mich meinem Ziel und merke, dass ich aufgrund der Umstellung der Auftaktetappe deutlich früher ankommen werde als ursprünglich geplant und da es weiterhin nicht regnet, beschließe ich, die heutige Wanderung noch ein wenig auszudehnen und den Gipfel des nahen Calmut zu besteigen.

Ich überquere also die Grenze zwischen den Kantonen Uri und Graubünden und gehe zunächst ein Stück auf dem Weg Richtung Pass Tiarms, um dann in einem halbstündigen Aufstieg den Gipfel zu erklimmen. Hier am Gipfelkreuz ist auf 2.304 m der höchste Punkt meiner Fernwanderung erreicht, ich werde aber leider nicht mit einer grandiosen Aussicht belohnt, denn nach wie vor ziehen dichte Wolken durch die Bergregion. Also steige ich auf der anderen Seite des Gipfels wieder ab und gelange am Calmut zu einer der seltenen Schweizer Abbaustellen für den in hohem Mass wärmespeichernden Speckstein. Im Juli und August wird hier einmal pro Jahr der Speckstein abgetragen und in spezialisierte Werkstätten nach Sedrun im Val Tujetsch geliefert, wo pro Jahr 20-30 Specksteinöfen angefertigt werden.

Ich laufe weiter und erreiche schon bald den Oberalppass von seiner Graubündner Seite. Auf der Passhöhe auf 2.046 m erwartet mich der höchstgelegene Leuchtturm der Welt, der an die nahe Rheinquelle am Tomasee erinnert. Es handelt sich dabei um den verkleinerten Nachbau des Unterfeuers “Hoek van Holland”, welches 70 Jahre lang an der Rotterdamer Rheinmündung stand. Meine Unterkunft am Berggasthaus Piz Calmot ist in Sichtweite nur knapp 200 m entfernt von hier, befindet sich aber wieder im Kanton Uri und so überquere ich noch einmal die Kantonsgrenze und checke dort ein. Außer mir gibt es nur zwei weitere Übernachtungsgäste und so kann ich in ruhiger Atmosphäre ankommen, meine nasse Kleidung trocknen und duschen. Im Gastraum erwartet mich anschließend mein Halbpensionsabendessen, ein Hackbraten mit Nudeln und Gemüse und so stärke ich mich und bereite mich auf die kommenden vier Wandertage vor.