20,0 km (Distanz)

538 m (Aufstieg)

582 m (Abstieg)

162 m (niedrigster Punkt)

382 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Freitag, 04.06.2021

Die letzte Etappe auf dem Mullerthal Trail beginnt bei strahlendem Sonnenschein am Hotel „Le Cigalon“ in Mullerthal. Der erste Abschnitte über die Heringer Millen bis zum idyllischen Schiessentümpel ist identisch mit dem Schlussabschnitt der gestrigen Etappe. Am Schiessentümpel teilt sich der Weg und ich folge dem Trail auf der gegenüberliegenden Straßenseite in den Wald. Nach etwa 100 Metern quere ich eine weitere Straße und tauche von neuem in eine bizarre Felslandschaft ein. Hier findet sich der Mullerthal Trail „at its best“, der Weg führt nicht nur an spektakulären Felsformationen vorbei sondern immer wieder auch mittendurch. Ich passiere die Felsschlucht „Eulenburg“ mit ihren schmalen Felsspalten und eng angelegten Felstreppenaufstiegen und werde unweigerlich an die sagenhaft-mystischen Landschaften von Mittelerde in J. R. R. Tolkiens Romanen erinnert. Nur wenig später geht es erneut durch schmale Felsspalten und vorbei an mächtigen und eindrucksvollen Felsformationen mit den Namen „Goldfralay“ und „Goldkaul“, bevor die Felslandschaft wieder etwas in den Hintergrund tritt und über einen Waldweg der Wanderparkplatz nahe der Consdorfer Millen erreicht wird.

Auf einem Waldweg entlang des Härdbaches geht es zunächst gemütlich weiter, aber schon bald zweigt der Weg ab und führt auf einem ansteigenden Pfad in den Wald hinein zu den nächsten spektakulären Felsgebilden. Es handelt sich um die engen Felsspalten „Rittergang“ und „Déiwepëtz“ die so schmal sind, dass kaum noch Tageslicht eindringt. Besonders an der Déiwepëtzspalte komme ich rein konstitutionsbedingt an meine Grenzen. Ich bin nicht klaustrophobisch veranlagt, aber mit einem breiteren Kreuz oder korpulenteren Ausmaßen würde man hier nicht mehr durchpassen und es gibt keinen anderen Weg um diese Felsspalte zu umgehen. Also klappe ich meine Schultern so weit es geht zusammen und trage den Rucksack vor mir um im Schein meiner Smartphone-Taschenlampe die dunkle Felsspalte zu durchqueren – abenteuerlich. Der Weg wird zunächst wieder breiter, aber der nächste Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten. Die „Kohlscheuer“ liegt direkt am Trail und den optional begehbaren 200m langen Rundweg über Felstreppen, durch Höhlen und Felsspalten schließe ich gern in die heutige Wanderung mit ein.

Mein Wandertempo ist bislang eher bescheiden, da es so viel zu sehen und zu durchqueren gibt, im anschließenden Abschnitt lässt es sich nun mal wieder etwas ausschreiten und ich gelange schließlich über Feld- und Wiesenwege hinauf zu einer offenen Hochfläche bei Hersberg. Durch ein enges bewaldetes und felsiges Bachtal erreiche ich die nächsten Felsgebilde. Am Einsiedeleifelsen kann man den „Roude Léiw“ bewundern, eine Felsmalerie die 1939 anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigkeit von Luxemburg gestaltet wurde. Während des zweiten Weltkrieges verlangten die deutschen Besatzer, dass die Eingravierung entfernt wird. Um eine Zerstörung zu vermeiden, wurde sie deshalb von Einheimischen durch Zementierung unsichtbar gemacht und nach dem Krieg wieder restauriert. Einige Minuten später passiere ich noch den Härgottskappfelsen, bevor ich den Ortseingang von Scheidgen erreiche. Ich überquere die Durchgangsstraße und schon führt der Weg wieder nach links hinab in das Waldgebiet Juckebësch. Auf einfachen Pfaden geht es weiter durch den lichten Buchenwald bis zum Wanderpakplatz Leiwerdëlt und von dort weiter bis zum Tourziel nach Echternach. Ein Chinarestaurant in der Nähe bietet ein Menü-to-go an und so gönne ich mir Pekingsuppe, Frühlingsrolle und Rindfleisch mit Zwiebeln im romantischen Klostergarten im Schatten der Basilika zum Abschluss meiner Tour auf dem Mullerthal Trail durch die Kleine Luxemburger Schweiz.