24,0 km (Distanz)

714 m (Aufstieg)

873 m (Abstieg)

801 m (niedrigster Punkt)

1.161 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Mittwoch, 21.08.2019

Mein Abschlusstag auf dem Lechweg beginnt mit einem leckeren Frühstücksbuffet im Naturhotel LechLife und ich entscheide mich für die wandertaugliche Variante mit Bircher-Müsli, Himbeerporridge, Bananenmilch und ein paar frischen Partybrötchen mit Tomate-Mozzarella und frischen vegetarischen Brotaufstrichen. Ich bin stolz auf meine Buffetdisziplin angesichts der angebotenen Leckereien, denn ich weiß dass die klassische Eier-Speck-Kombi meiner bevorstehenden Wanderung nicht zuträglich wäre. So habe ich die postprandiale Trägheit vermieden und fühle mich fit für die Abschlussetappe. Der Regen ist durch, aber das nächste sommerliche Hoch ist erst für den Folgetag angekündigt und somit befinde ich mich wettertechnisch im Nirvana eines Wolkenmixes bei stabilen Temperaturen von 15 bis 16 Grad, eigentlich gar nicht so schlecht zum Wandern.

Nach einem kurzen Flachstück auf dem Höhenpanoramaweg bei Wängle zweigt der Lechweg links ab auf einen steilen felsigen Pfad, der mich zur Costarieskapelle führt. Der relativ kurze Anstieg ist schweißtreibend, entschädigt aber mit einem Panoramablick zum Reutter Talkessel, den ich bei einer kurzen Verschnaufpause an der Kapelle trotz tiefhängender Wolken genießen kann. Von hier geht es über einen Forstweg wieder talwärts zum romantisch gelegenen Frauensee und von dort weiter nach Hinterbichl am Lech. An der Hängebrücke überquere ich zum letzten Mal bei dieser Wanderung den mittlerweile stattlichen Fluss und wandere nun durch die Pflacher Au, die für ihre Vogelvielfalt bekannt ist. Der 18 Meter hohe Vogelbeobachtungsturm gibt den Blick frei in die Auenlandschaft zu Stillgewässern und Altarmen des Lechs und ich sinniere kurz über der Frage, ob die zwei unter mir dümpelnden Schwäne repräsentativ für den vielzitierten Artenreichtum der Vogelwelt in der Pflacher Au stehen.

Nachdem ich Pflach und die folgende, eher wenig attraktive Gegend um die Schnellstraße S 179 hinter mir gelassen habe beginnt der letzte Abschnitt der Lechwegwanderung, der zunächst über den Kniepass zur Sternschanze führt. Sie gilt als vorgelagerte Befestigungsanlage der Burg Ehrenberg bei Reutte, einem der größten Festungssysteme der Alpen und wurde im Dreißigjährigen Krieg aus strategischen Gründen am Kniepass zur Sicherung der Hauptverkehrsroute von Reutte nach Füssen errichtet. Der kleine Rastplatz an der Sternschanze lädt mich zu einer kurzen Trinkpause ein. Anschließend geht es auf einem Forstweg weiter über das Dürrental zum Kropbergtal, wo der Weg noch einmal ansteigt. Unvermittelt biegt der Lechweg an einem Rastplatz links ab und führt vom Forstweg auf einen kleinen Pfad, auf dem ich schließlich die unscheinbare Landesgrenze vom österreichischen Außerfern ins deutsche Allgäu überschreite.

In Deutschland angekommen muss ich zunächst einen kurzen, stahlseilversicherten Abhang an einem Kalkfelsen überwinden, ehe ich auf Waldpfaden über den Gnomensteig am Nordhang des Alpsees absteige. Es geht vorbei am „Israelit“, einer überhängenden Felswand und kurze Zeit später befinde ich mich am Alpsee mit Blick zu den Schlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein. Der Weg führt auf dem Alpsee-Rundweg im Uhrzeigersinn hälftig um den Alpsee herum und natürlich befinde ich mich nun auch in der Gesellschaft von Tagestouristen, deren Anzahl jedoch noch überschaubar bleibt. Am Pindarplatz kurz vor Hohenschwangau verlasse ich den Alpsee-Rundweg und mit ihm die Touristenschar. Es geht über den Fürstenweg zum Alpenrosenweg oberhalb des Schwansees, bevor ein letzter Anstieg über den Kalvarienberg einen schönen Ausblick über die Dächer von Füssen und zum Forggensee im Allgäuer Alpenvorland eröffnet. Auf einem befestigten Weg geht es von hier abwärts direkt zum Lechfall, dem Tourziel am südlichen Stadtrand von Füssen. Ich habe noch etwas Zeit, bis mein Zug Richtung Heimat abfährt und so schlendere ich gemütlich durch Füssen zum Bahnhof, besorge mein Zugticket und lasse auf der Heimfahrt noch einmal die Eindrücke meiner Wanderung an einer der letzten Wildflusslandschaften Europas Revue passieren …