26,4 km (Distanz)

177 m (Aufstieg)

177 m (Abstieg)

394 m (niedrigster Punkt)

455 m (höchster Punkt)

Höhenprofil (Klick zum Vergrößern):

Sonntag, 19.07.2020

Letzter Tag auf dem Bodensee-Rundweg. Es ist Hochsommer ich erwarte heute pure Sonne bei 29°C auf meiner Heimatetappe. Da trifft es sich gut, dass das letzte Etappenstück von der Reichenau nach Allensbach bei diesen Temperaturen über das Wasser geht. „Über’s Wasser gehen“ werde ich dabei nicht, ich hab’s zumindest nich vor, aber doch so was in der Art und es involviert meinen Freund Peter, der glücklicherweise an diesem Sonntagnachmittag mit seinem Boot sowieso auf dem Gnadensee unterwegs sein wird.

Zunächst aber beginne ich in aller Ruhe und entspannt am frühen Morgen in Radolfzell an der Hafenmole. El Nino, die Zinnstatue des Bildhauers Ubbo Enninga sitzt halb im Wasser und wird von einer Schwanenfamilie umkreist, während ich mich auf den Weg mache. Der Wanderweg durch Radolfzell und nach Markelfingen ist unspektakulär und es sind noch nicht viele Leute unterwegs. Hinter der St. Laurentius Kirche in Markelfingen stoße ich auf einen Feldweg, der mich sanft bergauf zu einer kleinen Bank mit einem steinernen Tisch führt, der ideale Platz für mein Frühstück. Sigi, die mich ein paar Tage zuvor besucht hatte, hatte Erdbeermarmelade mitgebracht, die gemeinsam mit dem Hefezopf aus dem Hofladen die ideale Kombi für mein Sonntagmorgen-Outdoorfrühstück mit Blick zum Markelfinger Winkel bildet. Nach diesem ersten kleinen Picknick geht es weiter bergauf, bis ich an der Gemarkung „Stalläcker“ die B33 auf der Fußgängerbrücke überquere und anschließend in den Wald eintauche. Die Kühle des Waldes ist erfrischend, denn die Temperaturen sind bereits jetzt schon relativ hoch. Es geht um den Homberg bis zum Bündlisried und weiter Richtung Allensbach. Am Rossberg verlasse ich auf meiner ehemaligen Joggingstrecke wieder den Wald, hier kenne ich mich ziemlich gut aus, früher war ich hier fast täglich unterwegs. Am Walzenberg habe ich den ersten spektakulären Ausblick über Allensbach, der am Höhrenberg noch getoppt wird. Nach einem kurzen Stück bergab in das Dorf folgt am Röhrenberg der nächste kurze Anstieg auf den kleinen Hügel. Vom Röhrenberg geht es abwärts zum Waldrand am Tafelholz und vorbei an den Kliniken Schmieder bis ich schließlich Hegne erreiche. Der kleine Teilort von Allenbach ist geprägt vom dortigen Kloster und dem angeschlossenen Marianum mit seinem sozialwissenschaftlichen Gymnasium. In der zunehmenden Hitze am Sonntagmittag wirkt das Kloster wie ausgestorben, vor mir liegt das nächste schattenspendende Waldstück, das mich zur Waldsiedlung Reichenau führt. Von hier geht es auf asphaltierten Wegen vorbei am Zentrum für Psychiatrie parallel zur B33, die ich schließlich bei der Lindenbühler Brücke überquere was mich zum Damm der Insel Reichenau führt.

Die Fahrten mit dem Auto oder dem Fahrrad über den Damm waren eigentlich immer recht schön, zu Fuß zieht es sich dann doch etwas und das auf weiterhin asphaltiertem Belag. So bin ich dann doch froh, wie ich schließlich Oberzell auf der Insel erreiche. Drei romanische Kirchen prägen die Insel, meine Lieblingskirche liegt direkt vor mir auf der rechten Seite. St. Georg wurde im 9. Jahrhundert erbaut und begeistert mich durch seine gut erhaltenen großflächigen Wandbilder im Mittelschiff. Als ich das letzte mal hier war, war die Kirche für das Publikum geschlossen. Umso freudiger stelle ich fest, dass sie heute wieder geöffnet ist und mich im Kircheninnern mit seiner erfrischenden Kühle hinter den dicken Mauern empfängt. Es ist zwar gerade wegen Renovierungsarbeiten eingerüstet und daher wenig fotogen, aber dennoch für eine kurze Erholungspause in der Kühle und Stille gut geeignet. Nachdem ich die Kirche wieder verlassen habe zieht es mich zum Hochwart, dem auf 441 m gelegenen höchsten Punkt der Insel. Ich genieße die schönen Ausblicke rund um die Insel bis ins Hegau und zum Schweizer Seerücken und erkenne dann auf der rechten Seite das Ziel meiner Tour, den Yachthafen neben dem Münster St. Maria und Markus. Von dort trennt mich dann nur noch der Gnadensee von meiner Ankunft in Allensbach. Es sind nur wenige Minuten bis ich zunächst das Münster mit seinem kleinen Kräutergarten und anschließend den Hafen selbst erreiche. In einer halben Stunde bin ich mit Peter und seiner Frau Esther sowie Markus und Katrin am Hafen verabredet, wo Peter’s Motorboot liegt. Zeit genug für ein Mittagessen im Restaurant „Seeräuber“ nebenan. Zum Abschluss der Tour um den Bodensee darf’s dann auch mal passenderweise Fisch sein und die Gemüseinsel Reichenau lockt mit ihren Salaten. Also gibt’s Reichenauer Salat mit gebratenem Zander und Hafenblick.

Nach dem Essen nutze ich die Zeit und wechsle von der Wander- in die Badehose, mein Rash-guard-shirt hatte ich schon heute morgen zum Wandern angezogen. Gerade als ich wieder vom Umkleiden zurückkomme erreicht mich Peter per What’sApp und keine zwei Minuten später treffen wir uns auf seinem Boot. Der direkte Weg nach Allensbach wäre ja langweilig, wir haben noch den ganzen Nachmittag Zeit. Also fahren wir erst mal raus auf den See und springen nacheinander in’s herrlich erfrischende Wasser. Kurz darauf laden wir noch Silke ein und fahren raus Richtung Markelfinger Winkel. Nach ausgiebigem Schwimmen und Relaxen folgt das Wasserskifahren, was zumindest annähernd dem „über’s Wasser laufen“ gleichkommt. Wir wechseln uns ab mit dem Steuern des Boots und dem Vergügen auf zwei Skiern und verbringen gemeinsam noch einen herrlichen Nachmittag auf dem See. Der perfekte Abschluss meiner Wandertour rund um den gesamten Bodensse, die ich mit Ankunft am Bootsteg in Allensbach offiziell für beendet erkläre.